Donnerstag, 14. Oktober 2010


Abt. Kommentar der (Welt-)Woche


Sein neuer Posten als Chefredaktor der Besten aller Zeitung hält Markus Somm nicht davon ab, in der Weltwoche zu kommentieren, als stünde sein Pult noch dort. Was auf den ersten Blick nach Fremdgängerei aussieht, erweist sich bei genauerer Betrachtung aber als Dienst am Baslertum. Denn sein "Kommentar" (online leider nicht frei zugänglich) über die historische Bedeutung des Gotthardpasses – die uns vorher gar nicht so bewusst war – ist eigentlich eine verkappte Huldigung an Somms neue Wirkungsstätte. Schon der zweite Satz ist Balsam auf die geschundene Bebbiseele:

Kein Weg führte rascher von Basel nach Mailand als die Strecke durch die Schöllenenschlucht und über den Gotthard.
Es folgt das jedem Schulkind sattsam bekannte Blabla zur Teufelsschlucht, dem Schmied von Göschenen usw. usf. Dann aber erfährt der geneigte Leser:
In Basel liess der Bischof 1225 die Mittlere Brücke errichten, finanziert von einer tüchtigen Bürgerschaft. Eine unerhörte Tat: Es war damals die einzige Brücke über den Rhein vom Bodensee bis zur Mündung des Flusses im Meer und sollte es auch lange bleiben.
Tjaha, das hat der Zürcher sicher nicht gewusst! Ohne Basel wär die Schweiz nämlich ebensowenig entstanden wie ohne Gotthard, Gessler und Tell. Denn:
Dank dem Schmied von Göschenen entstand nun der neue Super-Highway Europas, auf dem man von der Nordsee auf dem Rhein nach Basel gelangte, um dort über den Gotthard nach Mailand weiterzureisen.
In der nächsten Weltwoche könnte Somm eine Huldigung auf den FC Luzern verfassen. Der ja auch nur so gut ist, weil Hakan Yakin dort spielt. Was streng genommen ja auch nur der Fall ist, weil Basel so ausländerfreundlich ist. Sonst wär Mama Yakin vermutlich gar nie hergekommen. Denk mal drüber nach!


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Mittwoch, 13. Oktober 2010


Abt. Wessels Miniaturen - heute: Bâle


Der Baudirektor spricht an der Eröffnung der Ausstellung in der Voltahalle des Basler Stadtmodells (Bâle miniature), und der Chef des BaZ-Lokalressorts protokolliert mit:

Vor 50 Jahren war es Tatsache, dass der überwiegende Teil der Menschen am selben Ort arbeitete und wohnte. Das heisst, Anspruch wie auch Bedarf an die Verkehrsinfrastruktur waren wesentlich kleiner. Parallel dazu hat im vergangenen halben Jahrhundert eine Entdichtung stattgefunden: Statt 207'000 wohnen heute rund 170'000 Personen in der Stadt - in einer Stadt notabene, die über wesentlich mehr Bausubstanz verfügt: Somit werde deutlich, sagt Wessels, dass der Bedarf an Wohnraum pro Person massiv angestiegen sei. Die Entwicklung wird weitergehen und für Wessels ist klar: "Auch im Jahr 2020 wird Basel nicht fertig gebaut sein".
Nehmen wir ihn mal kurz beim Wort. Wenn "die Entwicklung weitergehen wird", leben im Jahr 2100 noch gerade mal 100 Personen im Betonwald namens Basel, und jede in ihrem eigenen riiiiiesigen Hochhaus. Oder? Natürlich nicht! Im Ernst: Schon die Behauptung "der Bedarf an Wohnraum pro Person" sei "massiv angestiegen" ist eine hochideologische. Fakt ist, um es halt schon wieder zu sagen, dass einer sinkenden Bevölkerungszahl eine wachsende Anzahl Wohnungen gegenüberstanden in den vergangenen 50 Jahren. Die Geschichte lässt sich auch so erzählen, dass die Baulöwen, auch von zunächst anziehenden Hypozinsen nicht gebremst (Grafik, basierend auf Daten der Schweizerischen Nationalbank; X-Achse: Jahr, Y-Achse: Hypozins), seit den 70er Jahren in Basel weiter wüteten (1970: 84'546 Wohnungen, 1980: 90'293, 1990: 92'861. 2000: 94'157), sprich Wohnblocks hinknallten, während Teile der Bevölkerung das von ihnen angerichtete Schlachtfeld fluchtartig verliessen. Wer in der Stadt freiwillig oder zwangsweise blieb, sah sich ab den späteren 70er Jahren einem zeitweise wachsenden Leerwohnungsbestand gegenüber. Das kam den sich häufiger scheiden lassenden 68ern und ihrem Nachwuchs, sowie den sowieso geburtenstarken Jahrgängen der frühen 60er Jahre sehr entgegen. Also nahm man sich als AlleinerziehendeR, oder als früh daheim AusziehendeR, die von Wegziehenden hinterlassenen Altbauwohnungen usw. Der Einbruch der Bevölkerungszahl zwischen 1992 und 2000 geht parallel mit sinkenden Hypozinsen: Die geburtenstarken Jahrgänge der 60er kamen offenbar langsam zu Geld und zogen mit Kind und Kegel ebenfalls auf's Land, wo die knapp finanzierbaren Häuschen derweil sprossen. Wenn Basel als Wohn- und Arbeitsort attraktiv ist, kommen die Leute von alleine. Auch ohne, dass der letzte Quadratmeter Grünfläche an die hungrigen Investoren mit dem rekordbilligen Geld in den Taschen verhökert wird. Und arrangieren sich auf nicht-planbare Weise mit dem vorhandenen Wohnraum. Die Rede vom "wachsenden Wohnraumbedarf" ist ein ideologisches Konstrukt aus an und für sich neutralen statistischen Zahlen. Den Spruch mit dem "Wohnraumbedarf" wiederholen jene gebetsmühlenartig, die den Immobilienfonds den Weg bereiten wollen. Heute Abend, übrigens, diskutiert man ab 18:30 Uhr im Union über "Wie weiter nach dem Landhof-Nein?" Es sind auf dem Podium: Baudirektor Wessels, Andreas "Das U-Abo ist viel zu billig" Albrecht, Balz Herter und Loretta Müller.


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Abt. Live dabei – heute: Chilenenrettung


tagesanzeiger.ch

Ist ja klar, dass im Zeitalter des Livestreamings so eine Mineurenrettung weltweit in Echtzeit übertragen wird. Dann noch einen Live-Ticker dranzuhängen, mag von der Idee her und insbesondere im Newsnetz-Kontext schlüssig erscheinen, weil das spanische Gebrabbel versteht hier ja fast niemand. Aber Herrgott, das ist ja noch furchtbarer als beim Kachelmann-Prozess!

So lernen wir zwischen Viertel nach Zwei und Viertel vor Drei, dass Jorge Galleguillos Orellana 56 Jahre alt ist, unter Bluthochdruck leidet und als "komplizierter medizinischer Fall" gilt. Dafür sind die vor ihm Geborgenen "alle bei gutes Gesundheit". Ausser eben "Jorge Galleguillos Orellana – der elfte Mineurs, der soeben gerettet wurde. Der 56-Jährige leidet unter Bluthochdruck und ist untertags durch seine labile Gesundheit aufgefallen." Und gilt als komplizierter medizinischer Fall, ist man geneigt hinzuzufügen. Was man beim "Medizinalcheck" wohl herausfindet?


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Abt. Prix Meret Oppenheim an Shift-Mitgründerin


vernissage32.JPG

Annette Schindler (rechts) mit Katrin Steffen an der Eröffnung von Shift 2009

Annette Schindler, Mitgründerin des Festivals Shift, gehört zu den Trägerinnen des diesjährigen Prix Meret Oppenheim, der vom Bundesamt für Kultur verliehen wird. Der mit 35’000 Franken dotierte Preis wird dieses Jahr zum 10. Mal vergebenen. Er geht jeweils an “Schweizer Kunstschaffende, Architektinnen und Architekten sowie Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler, die älter als 40 Jahre sind und deren Arbeit von besonderer Aktualität für die Kunst und Architektur der Gegenwart sind”, wie das Bundesamt für Kultur in seiner Medienmitteilung schreibt.

Zu den weiteren Preisträgerinnen und -trägern gehört neben den Müller-Sister, Roman Signer und dem Architekten Gion A. Caminada auch der Performancekünstler Yan Duyvendak, der 2008 am Festival Shift aufgetreten ist.

Den Jurybericht gibt es hier.

Dieser Preist ist nur einer von vielen Gründen, unter anderem an der Eröffnung von Shift 2010 dabei zu sein. Der Eintritt am Donnerstag, 28. Oktober 2010 ab 19.00 Uhr, ist gratis. Und etwas zu Trinken gib's obendrein!


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Abt. Don't believe the hype! - heute: HPV-Impfung


Die Rundschau letzte Woche erzählte nach, was Catherine Riva und Jean-Pierre Spinosa für ihr Buch "La piqûre de trop?" recherchiert haben: Rundschau vom 06.10.2010


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Nicht nur live, sondern auch interaktiv



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Dienstag, 12. Oktober 2010


Abt. I go nekkid! – heute: Der Sexgrüsel von Thun



blick.ch

Die Polizei BL hätte garantiert ein Bild mitgeschickt!


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Abt. iGuck


Bin ich wieder mal der Letzte, der merkt, dass man Google jetzt mit einem eigenen Hintergrundbild pimpen kann?

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Abt. Stadtentwicklung konkret


Gegen dieses lauschig-heimelige Wohnüberbauungsprojekt am Schaffhauserrheinweg anstelle des heutigen Kinderspitals hat es keine Einsprachen gegeben, teilt die Regierung mit. Aber so wirklich konkret steht das Projekt mit "differenziertem, hochwertigem Wohnraum mit 70 bis 80 Wohnungen im gehobenen Wohnsegment" noch nicht. Zuerst muss der Grosse Rat den Bebauungsplan genehmigen, dann muss das Kinderspital zügeln und schliesslich muss ein Investor gefunden werden, der sich dann an den angesprochenen "gut situierten Haushalten und Familien" wird bereichern können.


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Montag, 11. Oktober 2010


Abt. Filmkritik - heute: "Basel lebt"


Die Kritik fällt aus infolge Befangenheit. Wenn Regierungspräsident Morin an dem Abend bereits Abstimmungspropaganda macht gegen die Familiengarteninitiative (hier ab Position 4:25; Danke! supra für den Mitschnitt von Morins Rede!), trete ich in Ausstand wenn's drum geht, den von ihm in Auftrag gegebenen Film zu besprechen, weil ich da Partei bin! Sich zu dem Streifen von Armin Biehler äussern sollen andere (UPDATE: ...und tun es inzwischen Regi Basel und Der Unverlinkbare [Wir sind kundenfreundlich: unverlinkbar.ch erklärt künftig, was wir damit meinen] und unser Publikum hier in den Kommentaren. Merci!). Zum Premièrenabend vielleicht nur soviel (supra, hoff ich, wird seine Sicht ergänzen): Aeschbi rules! Der Mann hat grosse Klasse. Den Hofnarren macht er mehr als brilliant. Wie er, als ein Müsterchen von vielen möglichen, Kessler spontan zurückgab, das rieche aber doch ein wenig nach Vetternwirtschaft, als der sagte, er habe den Auftrag gerade diesen Filmemachern gegeben, weil er sie schon kannte, war grosses Kino. Anders als der wenig später nach dem Abspann nur kurz und knapp beklatschte Film, über den ich mich aber nicht äussere! Beim zweiten Nachdenken doppelt irritiert, dass der Kanton es offenbar nicht schafft, so einen Abend für 1'000 Leute ganz mit eigenem Geld auszurichten, und darum sogar beim parterre den Preis drückt mit dem Argument, man nehme den Cateringservice dafür auf die Sponsorenliste. Wenn "freundliche Unterstützung" etwas anderes heisst, als dass das Eingliederungsprogramm nicht kostendeckend arbeiten durfte, soll man es mir bitte sagen! Die Folie auf der Grossleinwand zu Beginn des Anlasses erinnerte an kommerzielle Werbung im kommerziellen Kino vor dem Hauptfilm. Über den ich mich, wie gesagt, nicht äussere!


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Abt. Ironie des Schicksals


"The Slow Inevitable Death of American Muscle" von Jonathan Schipper

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt teilt mit:

"Am 09.10.2010, kurz nach 1500 Uhr, kam es in einer Werkstatt an der Chrischonastrasse zu einem Brandfall, bei welcher zwei Künstler verletzt wurde."
Gebrannt hatte ein Auto, das von den Künstlern bearbeitet wurde. Der Brand ereignete sich, erfährt man beim Weiterlesen, in einer Werkstatt des Museums Tinguely, wo die Vorbereitungen für die nächste Ausstellung laufen, die am Freitag ihre Tore öffnen soll. Der Titel der Ausstellung "Under Destruction". Nomen est omen!


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Abt. Traffictransparenz – heute: infamy vs. Onlinereports


Aus der Domstadt Arlesheim erreicht uns die frohe Kunde, auf die wir selbst nie gestossen wären: Onlinereports hat kräftig zugelegt!

Vom 1. Oktober 2009 bis 30. September 2010 stieg die Zahl der Besucher im Vergleich mit der Vorjahresperiode 2008/2009 um 24 Prozent auf 585'000. Gar um 39 Prozent auf 1,56 Millionen Seitenzugriffe stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Pageviews. Ebenso erfreulich ist, dass im vergangenen Jahr mehr als 1'200 externe Websites Links auf OnlineReports.ch gelegt haben.
Und das, obwohl von hier aus kein einziger Link mehr auf den Unverlinkbaren gelegt wurde.

Wir ziehen den Hut vor dem Mut zu solch schonungsloser Transparenz. Leider wissen wir nicht, mit welchem Tool Herr K. seinen Traffic misst. Und auch die durchschnittliche Besuchsdauer ist der Mitteilung nicht zu entnehmen. Trotzdem wollen wir nicht hintanstehen und geben hier unsere Zahlen für den gleichen Zeitraum bekannt: infamytraffic.pdf. Der Vergleich hinkt natürlich. Denn erstens wird infamy von einem ganzen Heer von Freiwilligen gemacht. Zweitens ist uns bekanntlich jedes Mittel recht, um Traffic zu bolzen. Fakt bleibt: Onlinereports hat 3x mehr Besucher als infamy.


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infamous for 8584 Days
Sperrfrist: 14.04.25, 05:43

Kontakt:
infamy-Kollektiv
Basel
E-Mail



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by fuzzy (26.02.24, 11:55)
Abt. Keintunnel CH
Mehr Infos hier: https://www.umverkehr.ch/referendum
by bagger (23.09.23, 11:32)