Mittwoch, 26. Dezember 2012


Abt. oral history - heute: storycorps


Seit 2003 sammelt @storycorps in den USA Gespräche. Zwischen ganz normalen Leuten. Denn alle haben eine Geschichte zu erzählen. Und die ist es wert, aufgezeichnet und aufbewahrt zu werden. Inzwischen sind es über 40'000 Aufnahmen. Sie entstehen in den storybooths, den Geschichtenkabinen. Es gibt fixe. Und es gibt mobile in einem Mobilehome. Hier erzählt Michael Garofalo von storycorps in einem Interview mit Jamie von soundcloud über das Projekt:

Den 23. November hat storycorps übrigens zum "National Day of Listening" erklärt.


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Abt. Antizynismus - heute: Roberto Benigni


Ihr müsst die Politik nicht respektieren!
Ihr müsst sie lieben!
forderte er am 17.12. in seinem abendfüllenden Programm (Link zu den ganzen 2 Stunden) mit dem Titel "La più bella del mondo", worin er unter anderem die italienische Verfassung Wort für Wort vorlas. Der Teil, in dem er seine Forderung begründet:

(via @ugugu)


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Dienstag, 25. Dezember 2012


Abt. Innenleben - heute: in Deinen Zellen II


Was in (fast) jeder Deiner Zellen (fast) ständig vorgeht, unter besonderer Berücksichtigung dessen, was man landläufig "Entzündung" nennt:

(Quelle: MIT. Am besten gefallen mir die entlang der Microtubuli voranstolzierenden Motor Proteine mit den Vesikeln im Schlepptau) (Teil 1)

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Montag, 24. Dezember 2012


Asiatisch Bogenschiessen für Dummies


Die japaner machen sich die sachen ja gern ein bisschen schwerer als andere menschen. was dem laien nicht auffält: andere völker «ankern» beim auszug mit der zughand (oder wenigstens dem pfeil) an einem referenzpunkt im gesicht. ohne das sind wiederholbare treffer fast unmöglich. oder eben erst nach jahre- oder jahrzehntelangem sehr intensivem training. interessant auch, was der herr in untenstehendem Video mit der bogenhand macht. statt, wie andere leute, mehr oder minder einfach die sehne spicken zu lassen, drehen die japaner die bogenhand soweit nach links, dass die sehne aus der halterung im handschuh schnellt. im moment des «ablasses» lässt der schütze den bogengriff dann für einen sekundenbruchteil los, wodurch sich der bogen in der hand und 180 grad dreht und die sehne am rücken des unterarmes anschlägt. das hat zwar keinen einfluss auf das trefferbild. aber erst dann ist der schuss perfekt.

www.youtube.com/watch?v=9bignEE3CEw&feature=player_embedded

Selbst für uns tumbe europäer vergleichsweise leicht erlernbar hingegen ist die nicht minder faszinierende und (wie untenstehendes bild belegt) anmutige koreanische bogentechnik. Mit den nicht unerheblichen vorteilen, dass die bögen nur einen bruchteil so lang, einen bruchteil so teuer, aber schneller, stärker und zielgenauer sind als die japaner. im gegensatz zu anderen asiatischen techniken kann man die koreanischen basics schon in wenigen stunden erlernen und ohne selbst und fremdgefährdung auf eigene faust weitermachen ...

Die abgebildete junge dame gehört derzeit wohl zu den besten schützinnen dieser technik im deutschen sprachraum, und weilt im februar einige zeit in basel um eben diese technik zu unterrichten. Interessenten melden sich bitte bei mir.


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Abt. Trouvaille - heute: Tarbuka


CI-49-1

Aufgenommen 1960 im marokkanischen Taza vom 1937 in Basel geborenen Ethnomusikologen Hugo Zemp, zu finden als einer von vielen Einträgen im riesigen Audio-Archiv des "Centre de Recherche en Ethnomusicologie" CREM, das online zugänglich ist via eine Instanz von telemeta, entwickelt u.a. vom äusserst sympathischen Guillaume Pellerin.


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Sonntag, 23. Dezember 2012


Abt. tractatus - heute: Punkt 7


CI-76-5

Nicht alle, die sollten, machen sich im "Ereignisfall" die Devise "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" zueigen. Die basellandschaftliche nicht...

Basels Finanzdirektorin Eva Herzog prüft rechtliche Schritte gegen die BaZ. Grund ist ein Primitiv-Porträt über die SP-Regierung in Blochers Zeitung.
..., denn der inkriminierte Text war kein "Primitiv-Porträt über die SP-Regierung", sondern allenfalls ein "Primitiv-Porträt über die SP-Regierungsrätin". Und "Der Sonntag" auch nicht:
«Ich glaube, das ist ein Gerücht», hat BaZ-Reporter Michael Bahnerth am Mittwoch in einem Porträt über die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog geschrieben und kolportierte dennoch die Sage eines Verhältnisses der sozialdemokratischen Regierungsrätin zu [sic!] ihrem Partei- und Amtskollegen Christoph Brutschin.
Jede hat ein Verhältnis zu einem Arbeitskollegen. Und jeder eines zu einer. Sogar Christian Mensch. Ich auch. Keines zu haben wär starkes Indiz für ein psychisches Problem. Auch bei Eva Herzog. Ausschlaggebend ist, ob das "zu" zu einem "mit" wird, Christian Mensch!

En passant verraten Sie in dem Artikelchen, dass vor einem Jahr bereits ihrer Redaktion aus "unbekannten Quellen" (Sie meinen vermutlich "anonymen", denn die Herkunft des Gerüchtes ist Ihnen garantiert bekannt! "Unbekannte" Quellen gibt es nicht! Wie erklären Sie ansonsten Ihre Kenntnis des Gerüchts? Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern entscheidender Unterschied!) Entsprechendes zugetragen worden sei. Und schon seit über 12 Monaten können Sie "ein Verhältnis zu" von "einem Verhältnis mit" jemandem nicht unterscheiden? Und meinten darum dem On-dit nachgehen zu müssen?

Diesem nachzugehen war journalistische Pflicht, da ein Verhältnis zweier Regierungsräte unabhängig von Parteizugehörigkeit, Geschlechter und Familienstand politisch relevant und deshalb von öffentlichem Interesse ist.
"Das Verhältnis zweier Regierungsräte" ist von öffentlichem Interesse? Von diesen Verhältnissen gibt es, "unabhängig von Parteizugehörigkeit, Geschlechter und Familienstand", bei 7 Ratsmitgliedern, exakt gleich viele, wie Gläser klingen, wenn alle mit allen genau einmal anstossen:
(n*(n-1))/2 = (7 * 6)/2 = 21.


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Abt. Genealogie - heute: MW->UKW->DAB->LTE


CI-191-5

Autoradio: Es begann mit Mittelwelle unterwegs. Dann kam UKW und blieb lange unangefochten Champion. DAB zwängte sich daneben, DAB+ (aac+) machte dem mp2-Vorgänger den unbequemen Sperrsitz streitig. Aber mittelfristig gewinnt vermutlich doch ein IP-basiertes System auf den Wellen von LTE, der nächsten Generation Mobilfunktelefonie- und -datennetz, über alle anderen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass Volvo, laut heise und wired, Spotify in seine Autos bringen will. Dereinst wird diese Meinung eines Kommentators bei heise vielleicht die Mehrheitshaltung sein:

Radio, is das dieses Ding, bei dem irgendwer anders die Playlist bestimmt?
Worauf ein Dritter reagiert mit:
... und dann hoch und runter dudelt? Bei dem dann auch noch permanent dazwischengequassel wird, wo man Singles die neuesten Babywindeln empfiehlt und wo auch sonst (fast) nur Scheiße gelabert wird? Boah ey, ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich zuletzt diese Scheiß-Sender gehört habe. Seit Monaten spielt mein Autoradio nur noch DLF und zu Hause schalte ich das Ding garnicht mehr ein.
Rebranding alleine wird keine Antwort darauf sein! Ebensowenig die Marginalisierung von Radio als bildamputierte Unterkategorie von Fernsehen. Es bräuchte eine von Grund auf neu gedachte Strategie für ein akustisches Medium mit Zielorgan Grosshirnrinde. Vom TV endet nun mal 99% im Keller beim reflexverantwortlichen Stammhirn.

Ohne direkten Zusammenhang zwar, aber als Anregung trotzdem hier nochmals Silvain Gire, der Chef von ARTEradio, aufgenommen anlässlich des 10. Geburtstags des Projektes, am 10.11.12:


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Samstag, 22. Dezember 2012


Abt. Zellgeflüster - heute: im "System" Mensch


In unserem Blut schwimmen Moleküle aus dem Innersten von Bakterien-, Pilz-, Pflanzen- und Insektenzellen. Das besagt jedenfalls der vor 2 Wochen erschienene Artikel von Kai Wang, Hong Li, Yue Yuan, Alton Etheridge, Yong Zhou, David Huang, Paul Wilmes und David Galas im PLoS ONE:

The Complex Exogenous RNA Spectra in Human Plasma: An Interface with Human Gut Biota?
Kleine RNA und microRNA heissen diese Moleküle. microRNA sind seit erst 2 Jahrzehnten überhaupt bekannte "Negative" von sehr kurzen DNA-Abschnitten im Zellkern. Sie bilden so etwas wie eine Flaschenpost, mit der der Zellkern Befehle rausschickt in die Zelle und so auf das vielfältige Geschehen dort einwirkt. microRNA gibt's aber nicht nur im Zellinnern. Im Laufe der letzten Jahre stellte sich raus, dass die Flaschenpost Befehle oder Botschaften sogar zwischen Zellen und auch Organen vermitteln kann. Und nun haben Paul Wilmes (zu hören im Audio) und KollegInnen zudem körperfremde microRNA in unserem Blut gefunden. Laut Lehrmeinung sollte sie solche da eigentlich nicht sein.

Entdecken die Forschenden grad einen neuen Kommunikationskanal zwischen der belebten Umwelt und unserem Körper? Sind wir bis auf die innerste Zellebene durchlässig für die Flaschenpost aus dem Innersten körperfremder Zellen?

Wilhelm Gruissem, Pflanzenbiotechnologe an der ETH Zürich, ist sehr skeptisch und warnt vor vorschnellen Schlüssen aus der Publikation von Wilmes et al. Hans Hirsch, Infektiologe und Mikrobiologe an der Uni Basel, meint andererseits (zu hören im Audio): «Wilmes' Publikation ist provokant. Wenn sich das bestätigt, könnte es neue Konzepte geben für Krankheit, für das Risiko, Krankheiten zu entwickeln. Und es könnten sich möglicherweise auch bisher für esoterisch gehaltene Formen von Gesundheits- und Krankheitsverständnis auf eine biologische und wissenschaftliche Art und Weise auflösen lassen.» Noch liegt die Betonung auf «könnte».

Heute Thema im Wissenschaftsmagazin auf SRF 2 Kultur (ehem. DRS2). Und vor ein paar Tagen schon mal kurz auf infamy.


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Freitag, 21. Dezember 2012


Abt. muss reichen! - heute: die 1'000-Zeichen-SRG


Das sind, inklusive Leerschläge, 1000 Zeichen:

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Längere Artikel soll's in den Ressorts News, Sport und Lokales auf den Websites der SRG in Zukunft nicht mehr geben, wenn der Text keinen direkten Bezug zu einer Sendung hat, schlägt der Bundesrat - unter anderem - vor in der gestern begonnen "Anhörung der Änderung der SRG-Konzession" (Warum "Anhörung der..." und nicht "Anhörung zur..."? Kann die Änderung reden?). Bis 25. Januar kannst auch Du Dich dazu äussern. Deine Stellungnahme wird danach auf der Bakom-Site veröffentlicht. Aber Du musst Microsoft-Kunde sein. Anders sind solche Sätze im Begleitschreiben nicht zu erklären:
Im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes sind wir bestrebt, barrierefreie Dokumente zu publizieren. Bitte beachten Sie die Anleitung dazu auf der gleichen Webseite des BAKOM. Wir ersuchen Sie daher, die Stellungnahme wenn möglich elektronisch einzureichen (vorzugsweise Word-Dokument).
Herr Dummermuth, warum diese Herstellerfixierung? Wozu diese Produkteplatzierung? Es wär so einfach gewesen, einfach "Textverarbeitungs-Dokument" zu schreiben. Ist das Bakom, als öffentliche, zur Unabhängigkeit verpflichtete Institution, nicht auch der Meinung: "Wir können Word-Anhängen ein Ende setzen!"


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Donnerstag, 20. Dezember 2012


Abt. Happy Birthday - heute: Rahmenvertrag Erlenmatt


Heute, 20.12., vor 10 Jahren unterschrieb Barbara Schneider, damals Baudirektorin, für den Kanton Basel-Stadt den Vertrag mit der Immobiliengesellschaft der Deutschen Bahn und der Vivico Real Estate. Der bis heute vom Kanton unter Verschluss gehaltene so genannte «Städtebauliche Rahmenvertrag» spurte die Entwicklung auf dem Erlenmatt-Areal vor. Eine Schnitzeljagd durch die letzten zehn Jahre entlang der wechselvollen Geschichte des 2003 erstmals auf 2009 angekündigten Konsumtempels auf Baufeld A. Darin kommen in tragenden Rollen unter anderem vor: geschätzte 400 Millionen Franken, Bricks Immobilien VR-Präsident Daniel Fluri und ein Schulhaus ohne Grund und Boden.

Seit dem Rahmenvertrag von 2002 ist in nur gut einem Kilometer Distanz zum «Stücki Shopping Center» dieses weitere Einkaufszentrum vorgesehen. Im Ratschlag «Projekt Erlenmatt» der Regierung, aus dem Jahr 2003, steht: «Bis 2009 sollte dann das neue Einkaufszentrum (Urban Entertainment Center) im Baufeld A an der Ecke Erlenstrasse / Schwarzwaldallee in Betrieb genommen werden.» Dazu hätte 2007 mit dem Bau begonnen werden sollen, wurde aber bekanntlich nicht. Stattdessen verkündet am 4. Dezember 2007 die Vivico Deutschland, die Eigentümerin des gesamten Erlenmatt-Areals, sie und alle ihre Tochtergesellschaften, auch jene in der Schweiz, seien von der Deutschen Bahn für 1,6 Milliarden Franken an die österreichische Immobilien-Investmentgesellschaft «CA Immo» verkauft worden. Damit war die Deutsche Bahn in Sachen Erlenmatt weg vom Fenster.

Am 28. Dezember 2007 gründen die jetzt österreichische Vivico und die neu dazustossende «Multi Development», auf Einkaufszentren spezialisiert und mit Hauptsitz in Holland, die «Einkaufszentrum Erlenmatt AG». Im Gründungseintrag im Handelsregister steht: «Die Gesellschaft beabsichtigt, nach ihrer Gründung Grundstücke zum Preis von höchstens EUR 32'000'000.– zu übernehmen.» Das sind nach damaligem Kurs gut 50 Millionen Franken. Die Parzelle 3149 für das Einkaufszentrum ist 10’800m2 gross. Das ergibt einen Quadratmeterpreis von knapp 4’700.-, den mutmasslich Multi Development an CA Immo zahlte. Die Zahl klingt plausibel in den Ohren von aussenstehenden Fachleuten, mit denen infamy darüber sprach.

Auch 2008 zieht ins Land. Vivico und «Multi Development» veranstalten einen Architekturwettbewerb für ihr Einkaufszentrum. Während der Zeit werkelt die Regierung am Ratschlag «Erlenmatt Erschliessung Ost und ÖV 1. Etappe», den sie schliesslich im Januar 2009 dem Parlament vorlegt. Darin heisst es, im Einkaufszentrum «Erlenmatt-Galerie» sollen Verkaufsflächen von rund 29'000 m2, ein Hotel im Dreisterne-plus-Bereich mit rund 8'400 m2 und ein Fitnesscenter mit rund 2'500 m2 Nutzfläche realisiert werden. Los gehe es mit dem Bau «ab 2010».

Erlenmatt Galerie Visualisierung

Aber gebaut wird der Konsumtempel auch 2010 erst mal nicht. Sondern die Vivico, Tochtergesellschaft der österreichischen Investmentgesellschaft «CA Immo», verkauft Land an zwei neue Mitspieler. Drei Baufelder mit rund 22’000m2 im Osten des Areals gehen an die Stiftung «Habitat» und vier Baufelder im Westen, mit - laut «CA Immo» - 22’640m2 Fläche, kauft die «Bricks Immobilien AG».

Bricks hiess bis zum Sommer 2009 noch «Vitium AG», lateinisch für, unter anderem, «Fehltritt». Am 21. Juli 2009 verlegten ihre Eigentümer den Sitz der AG nach Allschwil, tauften sie um in «Bricks Immobilien AG» und erhöhten ihr Aktienkapital auf das Zehnfache, auf eine Million Franken. Verwaltungsratspräsident wurde dabei der Immobilientreuhänder Daniel Fluri, damals bei der Vermögensverwaltung «Helvetic Trust» tätig, heute unter anderem bei deren Immobilien-Investment-Ableger «Helvetic Trust Estates». Mit in das Gremium zog bei der Gelegenheit 2009 Pierre Chardonnereau ein, Kadermann beim Nordostschweizer Teil des Baukonzerns Losinger, der seinerseits Teil des französischen Mischkonzerns Bouygues ist. Chardonnereau verliess den Verwaltungsrat von «Bricks Immobilien» wieder am 21. Juni 2012, laut Handelsregister.

In dieser Konstellation wenig überraschend, verkündete Vivico im August 2010, die «Bricks Immobilien» werde zusammen mit Losinger die von ihr übernommenen Baufelder «entwickeln».

Einen Rückschlag erfährt das Projekt «Einkaufszentrum», als im März 2011 bekannt wird, dass ein vorgesehener grosser Mieter abspringt. Die Deutsche Kleiderkette, gedacht als Hauptmieter, übernimmt nun doch nicht die angekündigten 6’000 m2. Coop hingegen steht weiterhin bei Fuss und lässt in der BaZ ausrichten: «Wir sind nach wie vor von der Erlenmatt-Galerie überzeugt.» Aus der deutschen Zentrale der Muttergesellschaft der Vivico, der CA Immo, heisst es optimistisch, man wolle sich «verstärkt auf Schweizer Mieter» fokussieren. Ziel sei, Mitte 2011 mit dem Bau zu beginnen und 2014 die Eröffnung zu feiern.

Kurz darauf, im Mai 2011, wird die «Einkaufszentrum Erlenmatt AG», 2007 gegründet von Vivico und «Multi Development» als «Djoint Venture», zur «Galerie Erlenmatt AG» umgetauft. Die Vivico-Leute verschwinden aus dem Verwaltungsrat. An ihre Stelle treten Vertreter von «Multi Development». Und Daniel Fluri von «Bricks Immobilien» übernimmt das Verwaltungsratspräsidium.

Im Juni 2011 reicht die kurz zuvor entstandene «Galerie Erlenmatt AG» ihr Baugesuch ein. Gegenüber der basellandschaftlichen Zeitung verkündet der nun auch zum Sprecher des Projektes «Einkaufszentrum» avancierte Daniel Fluri von «Bricks Immobilien», es würde Ende 2011 oder Anfang 2012 mit dem Bau begonnen. Die Eröffnung des, laut der Zeitung, etwa 300 Millionen Franken teuren Konsumtempels verspricht er auf Sommer / Herbst 2014.

Bagger fahren 2011 für das Einkaufszentrum bekanntlich keine auf. Aber am 19. Juli des Jahres wird in Muri bei Bern an der Worbstrasse 46 eine «Bautrag AG» umbenannt in «Vivico Infrastructure AG». Diese Firma übernimmt an dem Tag von der «CA Immo» weitere drei Parzellen auf dem Erlenmatt-Areal. Sie umfassen die Baufelder D und N entlang des Riehenrings, ein grosses Stück am Nordende des Areals und den Boden, auf dem der Kanton eigentlich seit dem Rahmenvertrag von 2002 ein Schulhaus vorsieht. Damit kontrolliert «Bricks Immobilien» alles in allem, direkt oder indirekt, gut 95’000m2 auf dem rund 200’000m2 grossen Erlenmatt-Areal.

Erlenmatt Galerie Visualisierung

Anfang 2012 wird die «Vivico Infrastructure AG» wieder umbenannt. Diesmal in «Bautrag Infrastructure AG». Und Daniel Fluri von «Bricks Immobilien» übernimmt auch hier das Verwaltungsratspräsidium. Die «Bautrag Infrastructure» ist heute eine Tochterfirma der «Bricks Immobilien».

Nach dem Baubeginn für das Einkaufszentrum gefragt, erklärt diese Woche Eva-Katrin Maier, Sprecherin von «Multi Development», man rechne auf Spätsommer 2013 damit, und sehe eine Bauzeit von zwei Jahren vor.

Bei «Bricks Immobilien» ist man zurückhaltender. Daniel Fluri lässt über seine Assistentin aus Muri bei Bern ausrichten, auf Baufeld A (vorgesehen für das Einkaufszentrum) seien noch verschiedene Abklärungen notwendig. Deshalb könne der genaue Zeitpunkt des Baubeginns nicht abschliessend bestimmt werden. Bei Coop, seit Jahren als Mietinteressent für das Einkaufszentrum bekannt, erklärt Noemi Wannenmacher: «Von unserer Seite gibt es im Moment keine neuen Informationen. Das Projekt ist nach wie vor aktuell, die Gespräche laufen.»

Die «Bricks Immobilien» zügelte im Februar 2012 nach Muri, an dieselbe Adresse, wie die «Bautrag»: Worbstrasse 46. Nach dem Grund dafür gefragt, heisst es aus Muri, da die «Bricks Immobilien AG» gesamtschweizerisch tätig sei, sei der Sitz «näher an die Sprachgrenze verlegt» worden. Die Adresse Worbstrasse 46 lässt sich erklären aus der Verbindung von «Bricks Immobilien» mit dem Baukonzern Losinger. Denn an der Adresse befand sich bis 2011 das Bauunternehmen Marazzi, seit 2006 eine Tochterfirma von Losinger.

Im Handelsregistereintrag der «Bautrag» in Muri lesen wir: «Die Gesellschaft beabsichtigt, nach der Gründung die Liegenschaftsparzelle 3117 in Sektion 7 des Grundbuches Basel zum Preis von höchstens CHF 11'000'000.00 zu übernehmen (wie bisher).» Das heisst sehr wahrscheinlich, die neue Bautrag (ex-Vivico) bezahlte gegen 11 Millionen an die ehemaligen Besitzer der Vivico, die österreichische Immobilien-Investmentgesellschaft «CA Immo», für Parzelle 3117. Deren Grösse laut baselstädtischem Grundbuch: 2'500m2. Ergibt einen Quadratmeterpreis von 4'400.-, den die Käufer der Bautrag an die «CA Immo» zahlten.

Wenn jeder der 95’000m2, die Bricks auf der Erlenmatt inzwischen direkt und indirekt kontrolliert, 4'400.- kostete, wären das über den Daumen gepeilt rund 400 Millionen Franken, die die Firma bisher investiert hat in das Areal. [UPDATE 24.1.13: Nicht jeder m2 hat so viel gekostet; drum sind die 400Mio deutlich zu hoch!]

Offen bleibt, warum Daniel Fluri mit der Parzelle 2149 im Jahr 2011 Land kauft, das als Naturschutz- und Naturschonzone vorgesehen und im «Städtebaulichen Rahmenvertrag» von 2002 zum Fixpreis von 120.- Franken pro Quadratmeter explizit dem Kanton vorbehalten ist. Und warum erwirbt eine von Daniel Fluris AGs noch 2011 mit der Parzelle 3136 Schulhausland (siehe nächstes Bild), das der Kanton dringend dafür bräuchte? Entsprechende Anfragen bleiben bis dato unbeantwortet.

Erlenmatt

Denn auf die 4'150m2 der Parzelle 3136 will das Erziehungsdepartement ein Schulhaus stellen. Das so genannte Baufeld B5 (identisch mit Parzelle 3136) ist bereits im Bebauungsplan von 2004 dafür vorgesehen. Dort steht unter 2.3.: «Der Baubereich B5 ist für Schulraum und Wohnen bestimmt.» Entstehen soll darauf laut Planungsamt ein Schulhaus mit 12 Klassenzimmern «mit einem erweiterten Raumangebot (u.a. für Sonderpädagogik, Gruppenräume, etc.)». Heute gab das Hochbauamt übrigens bekannt, dass das Projekt «Twix» von «Luca Selva Architekten» aus Basel den Wettbewerb um das Schulhaus gewonnen hat. Den Boden dafür besitzt der Kanton allerdings noch nicht...

Der Grund und Boden für das Schulhaus gehörte einst, vor 10 Jahren, der Vivico. Seit Mitte 2011 ist er Eigentum der «Bautrag Infrastructure AG» (VR-Präsident: Daniel Fluri), eine Tochter der «Bricks Immobilien». Ihr muss ihn der Kanton nun abkaufen. Als Wiederverkäuferin gibt ihn diese aber kaum zum Freundschaftspreis. Die Verhandlungen zwischen Kanton und neuem Grundeigentümer dauern entsprechend an, wie man hört. Und es sieht nicht aus, als ob man sich bald gütlich einigen würde.

Erst gehörte alles Land auf der Erlenmatt der Deutschen Bahn. Dann ihrer «Sachwalterin» Vivico, die ihrerseits 2007 österreichisch wurde. Die Vivico versprach im «Städtebaulichen Rahmenvertrag» anno 2002 grosse Teile zu einem vergleichsweise günstigen Fixpreis dem Kanton. Den Rest verkaufte sie in den Jahren seither scheibchenweise an die Pensionskasse des Bundes, die «Publica» (sie baute unter anderem das «Erlentor» darauf), an die Stiftung Habitat und bis Mitte 2011 auch an die «Bricks Immobilien» und ihre verschiedene Töchter und Beteiligungen. Um Parzelle 2149 im nördlichen «Spickel» des Areals (Nordende von Baufeld K, vorgesehen als Naturschutz- und schongebiet), um Parzelle 3136 für das Schulhaus und insbesondere auch um die Areale für die von der Regierung bereits 2003 versprochenen grosszügigen öffentlichen Plätze auf Baufeldern M und N muss der Kanton nun hadern mit einem Finanzinvestor.

Auf die Frage, warum denn 2012 sich noch nicht alle Flächen, die für öffentliche Nutzungen im weiteren Sinne vorgesehen sind (Baufelder K, L, M, N und der Schulhausteil von Baufeld B), im Eigentum des Kantons befinden, sondern erst Baufeld L und ein Teil von Baufeld K, erhielt infamy aus dem Bau- und Verkehrsdepartement bis heute, dem 10. Geburtstag des «Städtebaulichen Rahmenvertrags», keine Antwort.

to be continued...


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Abt. Elffarbige Weihnachtskunst


Es ist ein ganz schönes Bild, das die Kunsthalle Basel als Last Minute-Weihnachtsgeschenk anbietet (für CHF 600.-). Es handelt sich um eine Edition anlässlich der Installation After the Monument Comes the People von Vanessa Safavi an der Rückwand der Kunsthalle Basel.

Alles schön und gut. Nur bei einem Detail geriet ich etwas ins Stutzen: "11-farbiger Digitaldruck auf Hahnemühle Papier". Elffarbig? Sind da etwa Elfen-Farben gemeint? Oder elf farbige Digitaldrucke?


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Abt. d Chineese kemme


  • aktuelle Geschichte: Schweiz soll zur Drehscheibe für die chinesische Währung werden. Seit Deng Xiaoping in den 70er Jahren beschloss, dass China ein entwickeltes Land werden soll und einen Plan der auch die nächsten Jahrzehnte abdeckt entwarf, wurden die wesentlichen Milestones bisher eingehalten. Wenn man nun z.B. die Anzahl Einwohner mit dem ProKopf BSP eines Europäers multipliziert, könnten die Grössenordnungen umrisshaft sichtbar werden.

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