Abt. BaZ kompakt oder: «Stinkender Nieswurz»


Quelle: keschtene.jpg

Die "Basler Zeitung" hat ihr grünes Gewissen gefunden. In der Person des Mischa H., der sich einst einen Namen als unerschrockener Verbrecherjäger machte und heute vor allem als Sprachrohr der SVP Riehen tätig ist. Und als Anwalt zu rettender Stadtpflanzen. Etwa der Rosskastanie am Wiesenplatz, gegen deren Fällung sich Anwohner wehren. Weil er nun so episch lang geschrieben hat, bringen wir als Service für die eilige Leserin eine Kurzform des botanischen Diskurses, der am Schluss eine überraschende Wendung nimmt:

"Zwei der Rosskastanien blühen weiss und tragen deshalb den wissenschaftlichen Namen Aesculus hyppocastanum. Zwei davon blühen rot und werden als Aesculus x carnea bezeichnet. (...) Entschieden hat diese «Aufwertungsmassnahme» das Bau- und Verkehrsdepartement mit seinem Vorsteher und selbst ernannten Naturfreund Hans-Peter Wessels (SP).
Das mit den Aesculi hat der "selbst ernannte" Naturfreund (SP) sicher nicht gewusst. Ich ja auch nicht.
"Und obwohl dort mit Efeu, Immergrün, Echtem Ehrenpreis, Rundblättrigem Storchenschnabel oder Stinkendem Nieswurz keine botanische Rarität wächst, so sind es doch alles Arten, die zu ein bisschen mehr Natur in der Stadt beitragen und für Farbe im monotonen Grau sorgen. Es ist eine Pflanzeninsel, die an Wald oder zumindest an eine Allee erinnert, deren Anblick beruhigt, erfreut und zum Innehalten einlädt. Zudem gibt es da Äste auf denen auch mal ein Buchfink trällern kann.
Apropos "Innehalten" ... Doch das kommt gleich hier weiter unten.
"Die Insekten jedenfalls freuen sich über Rosie und ihre Schwestern. Umgeben von hohen Häusern, umschlossen von Strassen und dem Tramdepot finden gerade die Bienen bei Rosie etwas Futter, zumindest solange die Kastanienbäume blühen. Sowohl die weisse wie auch die rote Variante werden von den Imkern als sogenannte Trachtpflanzen geschätzt, auch wenn es andere Baumarten gibt, die den Insekten mehr Lebensraum und Futterquelle bieten. Rosie ist ökologisch betrachtet sicherlich hundertmal wertvoller als eine Boule-Bahn, die sowieso niemand benutzen wird. Denn wer spielt schon gerne mitten im Verkehrslärm und Tramgequietsche Boule?
Auf einem Platz, wohlgemerkt, der "zum Innehalten einlädt", wie wenige Zeilen zuvor zu lesen war. Aber zurück zu den Bienen:
Auch Solitärbienen, die eigentlich auf der Förderliste der Stadtgärtnerei stehen und für die am Rheinufer – natürlich publikumswirksam – Bienenhotels aufgestellt werden, besuchen gerne blühende Kastanienbäume sowie die Blumen von Immergrün, Efeu und Rundblättrigem Storchenschnabel.
Langsam bekommt man Schwindelgefühle von soviel Pollenstaub auf der Zeitungsseite, Aber es ist noch nicht vorbei:
"Eine Rosskastanie kann viel mehr als Schatten spenden, im Sommer das Stadtklima regulieren oder hübsch blühen: Kastanien sind auch Heilmittel. Vor allem die weiss blühende Kastanie. Sie verfügt über ein Inhaltsstoffgemisch namens Aescin. Daraus werden Rosskastanien-Extrakte hergestellt, die gegen übermässiges Schwitzen und Probleme mit Venen eingesetzt werden.
Schön und gut wahrscheinlich von Wikipedia abgeschrieben. Nur dass es sich beim gefährdeten Bau um eine rotblühende Kastanie handelt.

Nun aber Schluss mit der Botanik. Nach rund 150 Zeilen Pflanzenkunde kommt Mischa H. endlich zu dem, was er eigentlich sagen möchte (und mit der Erwähnung des "selbst ernannten ..." bereits angetönt hat):

"Warum Wessels Schreibtischkommando ausgerechnet diesen Platz für seine mediterrane Umgestaltungskampagne auserkoren hat, liegt auf der Hand. Vordergründig geht es um Begegnungszone und Boule-Spielen, doch in Wahrheit kann dank der Umgestaltung mindestens ein Dutzend Parkplätze aufgehoben werden."
Aha? Woher er diese Informationen hat (wenn sie nicht frei erfunden sind), lässt der Autor im Unklaren. Ein Dutzend Parkplätze muss man erst einmal finden auf dem Wiesenplatz. Hauptsache man hat wieder einmal so richtig auf Wessels eindreschen können.


"Psychopathia bazualis"

Ich lese das als botanisches Traktat getarnte politische Pamphlet mit grosser Genugtuung. Die auf der Redaktion der BaZ um sich greifende Senilität ist gerade in diesem Artikel mit Händen zu greifen. Früher hatten die Journalisten der BaZ Steckenpferde, Interessen, Spezialgebiete. Heute sind sie besessen, manisch, einer fixen Idee verfallen. Der Chefredaktor publiziert pausenlos ausufernde "historische" Exkurse über eine untergegangene Eidgenossenschaft (Realitätsverlust). Der eine Land-Chef träumt von einer durchmilitarisierten Gesellschaft („ein nicht zu Ende Geborener“, würde Theweleit sagen). Der andere Land-Chef hat seinen Knacks freikirchlich sublimiert. Ein Stadt-Schreiber hat alles auf dem Kieker, was friedlich, langsam und lärmarm ist (Aggressionsstau). Ein anderer hält die Fahndungs- und Verbrechensmeldungen der Staatsanwaltschaft für das exakte Abbild der Wirklichkeit (Paranoia). Und schliesslich ein alternder Journi mit gefärbtem Haar, der sein Leiden an der Provinzialität dieser Stadt durch die Einbildung kompensiert, ein Raddatz zu sein.
Ich glaube nicht, dass hinter all dem nur eine politische Agenda steht. Ich glaube, wir müssen die BaZ auch verstehen als ein grosses, öffentliches therapeutisches Projekt.

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Endlich ist

das BaZ-Rätsel gelöst! Danke!

Die Pointe gefällt mir echt ausserordentlich!

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Auto-Therapie.....

... ausgeschlossen solange der Parteiguru zahlt.

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