Abt. Problembasel - heute: Berg- und Seesicht


Sergio Aiolfi von der NZZ kennt Basel! Von 2004 bis 2009 berichtete er für die vielleicht meistüberschätzte Zeitung der Schweiz vom Rheinknie. Darum weiss er, wovon er spricht, wenn er in seinem Artikel mit dem von der BaZ entlehnten Titel "Basel ist noch lange nicht gebaut" schreibt:

Was in der Stadt überdies fehlt, ist die Berg- und die Seesicht.
Nun ja. Zum einen fehlt Herrn Aiolfi hier zunächst mal ein Plural. Bergsicht. Seesicht. Sind zwei. Korrekterweise sollte es also heissen: "Was in der Stadt überdies fehlen, sind die Berg- und die Seesicht." Soviel zum Thema meistüberschätzte.

In concreto fehlen die beiden primär den Berglern und den Zürchern, die's ans Rheinknie verschlagen hat - und Herrn Aiolfi, von dem ich leider nicht weiss, zu welchen er zu rechnen ist. Länger in Basel Ansässigen fehlen in der Regel weder der Seeanstoss noch das Alpenglühn am Horizont. Wer sowas braucht, holt es sich in den Ferien. Da ist man hier pragmatisch.

Jedenfalls bläst Aiolfi in seinem Text, kräftig unterstützt von "Wüest & Partner", zum Halali auf die letzten preiswerten Immobilien in Basel. Einigermassen nützlich an dem Artikel sind eigentlich lediglich die Daten von W&P. Zum einen zeigen sie die teils groteske Zunahme der Preise von Eigentumswohnungen nach Quartieren (bis +36,9% innert drei Jahren),

zum anderen die von W&P - man weiss nicht recht wie - erhobenen derzeitigen Preise:

Wobei: Wer genau hinschaut sieht, dass W&P dort, wo dereinst das "Manhattan am Rheinknie" (Aiolfi) entstehen soll, bereits mit Preisen von über 885'000.- für eine 4-Zimmer-Wohnung rechnen. Dito unweit davon in Kleinhüningen im Industriegebiet zwischen Neuhausstrasse und Hafenbecken 2. Dafür gibt's, laut W&P, an der Arbedostrasse auf dem Bruderholz Eigentumswohnungen für unter 780'000.-.

Die reichlich irreführende, psychedelische Karte ergibt zwar insgesamt wenig Sinn, aber das fällt dem durchschnittlichen NZZ-Leser in Zürich bei seiner Zeitungslektüre im Clouds, von wo aus er See- und Bergsicht geniesst,

nicht auf. Wie gesagt: meistüberschätzte!


Sergio Aiolfi

Herr Aiolfi ist in Münchenstein aufgewachsen. Eigentlich sollte er die Basler Verhältnisse etwas besser kennen.

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"Bergsicht. Seesicht. Sind zwei. Korrekterweise sollte es also heissen: '"Was in der Stadt überdies fehlen, sind die Berg- und die Seesicht.'"

Das ist Quatsch. Der Satz stimmt.

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Lass mich ja

gerne korrigieren. Aber einen Hauch von Begründung bräucht ich schon, um von meiner festen Überzeugung abzurücken, dass der Satz in der Aiolfischen Fassung Quatsch ist.
"Was fehlt, ist die Berg- und die Seesicht"
vs.
"Was fehlt, sind die Berg- und die Seesicht"

Sonst frag ich mal bei der Sprachwissenschaftlerin meines Vertrauens nach. Wenn die Semesterferien rum sind.

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Ok, "Was fehlt, sind die Berg- und die Seesicht" ist vermutlich das einzig richtige. Aber was wirklich ganz falsch ist, ist "Was fehlen".

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Es könnte

so sein, wie HWammers sagt. Wenn ich mir allerdings die beiden Sätze vorstelle,

Was dieser Stadt fehlen, sind ein Wolkenkratzer und ein Konzerthaus.
vs.
Was dieser Stadt fehlt, sind ein Wolkenkratzer und ein Konzerthaus.

sagt mein Bauch trotzig: "fehlen" ist es!

Ich werd versuchen, mich kundig zu machen. Immerhin: Wenn ich falsch liege, bin ich nicht der einzige. Es gibt einen "Was hier fehlen, sind"-Club...

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Seien Sie nicht so überkorrekt

Sprache lebt doch auch von Unregelmässigkeiten.

Danke übrigens für das schöne Bild von den Zürcher Berg- und Seesicht!

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Was fehlen...

...ist ein Meer.

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Das echt fehlen sehr!

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