Abt. Etikettenschwindel - heute: PISA-"Studie"


PISA schnüffelt viel mehr aus, als die "Intelligenz" der Kids in den OECD-Ländern! Nicolas Kayser-Bril, datenjournalistisch engagiert bei der spannenden Site owni.fr, hat grad vorhin darauf hingewiesen, dass in Australien die PISA Unterlagen öffentlich zugänglich sind. Und schon nur ein flüchtiger Blick darauf zeigt sofort: PISA ist in etwa die gleiche skandalös übergriffige Schnüffelaktion auf internationaler Ebene, wie sie das baselstädtische Statistik-Amt unlängst lokal durchführte. PISA wird auch hierzulande verkauft als:

Die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) erfasst die Grundkompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. PISA, eine von der OECD initiierte Studie, wurde im Jahr 2000 eingeführt und findet im Drei-Jahres-Zyklus statt. Im Jahr 2009 erfolgt die vierte Erhebung. PISA erfreut sich wachsender Bekanntheit. Bei der nächsten Erhebung werden über sechzig Länder daran teilnehmen.
Was haben aber dann in einer solchen "Studie" diese Fragen zu suchen?
Wer lebt mit Dir zusammen? Was ist die Hauptbeschäftigung Deiner Mutter? Was tut Deine Mutter in ihrem Job? Was ist die höchste Ausbildung Deiner Mutter? Was ist der Beruf Deines Vaters? Was macht er in seinem Job? Wo sind Deine Eltern zur Welt gekommen? Wenn Du nicht in dem Land geboren bist, wo der Test durchgeführt wird, wie alt warst Du, als Du hier ankamst? Welche Sprachen sprecht ihr zu Hause die meiste Zeit? Was von diesen Dinge hast Du daheim (Tisch, eigenes Zimmer, Computer, Geschirrspüler, Badezimmer usw.)? Wieviele dieser Dinge habt ihr daheim (Handy, Auto, Computer...)? Wieviele Bücher habt ihr daheim? Wie häufig liest Du aus eigenem Antrieb Zeitung, Comics, Bücher...? In welchen Fächern besuchst Du wie lange Nachhilfeunterricht?
Und so weiter und so fort. Diese Fragen haben überhaupt rein gar nichts mit dem zu tun, als was PISA dargestellt wird in der Berichterstattung darüber (z.B. in NZZ, Newsnetz oder auch heute im "Sonntag")! Das riecht vielmehr nach regelmässiger, breitest angelegter staatlicher Schnüffelei im Privatleben der Bürgerinnen und Bürger, getarnt als Schüler-Vergleichstest. Das ist ein ganz übler Etikettenschwindel!


Ja. Total verboten und kontraproduktiv, mal harte Daten dazu zu erfassen, was das soziale Umfeld mit dem Bildungserfolg zu tun haben könnte. SKANDAL! EMPIRIE!

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So wird das Ding aber nie

dargestellt, Verehrtester! Oder hab ich 'was verpasst? Drum "Etikettenschwindel". Nichts gegen Empirie, wenn sie deklariert, was sie erfassen will und ihre Ergebnisse dann auch entsprechend dargestellt werden.
Ich lass mich gerne eines besseren belehren.

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Wenn es um den Datenschutz geht, lautet die Frage ja nicht, wie die Massenmedien das darstellen, sondern ob die Kinder und deren Erziehungsberechtigte von den erhebenden Behörden korrekt über den Fragebogen informiert worden sind bzw. ob es eine Opt-out-Möglichkeit gab. Welchen Aspekt sich die Medien für ihre Berichterstattung herausziehen, ist deren Sache. Die Statistiker sind ja nicht für die Medienberichterstattung verantwortlich.

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@ patpatpat

Du hast etwas verpasst. Unter "Kontextfaktoren" ist auf der Schweizer Pisa-Seite zu lesen:

Im PISA-Programm werden Schülerleistungen gemessen und anhand von Leistungsstandards beschrieben und verglichen. Genauso wichtig ist es aber auch, nach den Hintergründen der Leistungsunterschiede zu fragen: Warum haben die Schülerinnen und Schüler des einen Landes besser abgeschnitten? Besteht ein Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund und der Schulleistung? Welche Rolle spielt das Geschlecht bei unterschiedlichen Leistungen? Wie stehen die Schülerinnen und Schüler neuen Technologien gegenüber?
Sonst landen wir bei Sarrazins unsäglichen Dumpfbacken-Genen.

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pisa

solche fragen haben durchaus bei pisa was zu suchen. es geht hier nämlich darum, den sozioökonomischen status, resp. den migrationsstatus zu erfragen. dadurch können nachher auch aussagen gemacht werden, ob und in welchen ländern beispielsweiwe soziale ungerechtigkeiten durch das schulsystem gefestigt werden, ob der migrationsstatus oder der soziökonomische hintergrund für schulische erfolge wichtig sind etc. das sind fragen, die für die weiterentwicklung eines bildungssystems wichtig sind.

dass dabei der datenschutz eingehalten werden muss, ist klar. wenn das nicht geschieht, dann hat es tatsächlich einen sehr, sehr schalen nebengeschmack.

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Um auf die ...

... Idee zu kommen, dass ew einen kausalen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialem Umfeld gibt, brauch ich keine Pisa Studie sondern nur zwei Augen und Ohren. (notfalls auch nur je eines).
ppp's Neigung zur Skanadalisierung sehe ich um einiges gelassener, seit der versehentliche Bezug von ein paar jämmerlichen Sozialhilfekröten zur Ausschaffung einer nachgewiesen invaliden, alleinerziehenden Mutter ausreicht. Einfach, weil die Frau nicht wusste, dass sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat und inkompetente bis strohdumme Gemeindehilfsbeamte sie nicht darauf aufmerksam machen (wohl aber den «illegalen» Sozialhilfebezug anzeigen.
Das Migrantenknder in der sozialen Mobilität, nicht zuletzt aus Faulheit und Rassismus vieler Lehrer, beengter Wohnverhältnisse, uneinsichtiger Eltern und der allgemeinen Ablehnun durch die «Einheimischen» behindert werden und Armut somit auch ethnisch vererbt wird, ist schon seit 150 Jahren lange allgemein bekannt. Was als Pisa Schlussfolgerung dann auf unseren Schlagzeilenblätter erscheint, ist: «Ausländerkinder senken ds Bildungsniveau in der Schweiz!» und nicht «Schweizer Bildungssystem behindert Ausländer bei der Integration und sozialem Auftstieg und fürdert somit die Kriminalität und Fremdenhass.» Stimmt ja beides irgendwie.

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Skandalisierung?

Nee, darum geht's mir nicht. Aber die irregeführte und irreführende Berichterstattung zu PISA gehört benannt, als was sie ist. PISA ist ein Unterfangen, das a) schon länger in der Kritik steht und b) soweit ich sehe sich nicht explizit und klar deklariert als sozioökonomische Faktoren einbeziehende Bildungsuntersuchung. Im Kleingedruckten bei der Methode steht dann schon "Students answer a background questionnaire, which takes 20-30 minutes to complete, providing information about themselves and their homes." (Hier übrigens die Schweizer Version des Fragebogens). Was PISA festhält, formuliert auf seiner "Frontseite" PISA aber so: "PISA assesses how far students near the end of compulsory education have acquired some of the knowledge and skills that are essential for full participation in society." Ein Zusatz im Sinne von "... and what role their socio-economic background plays in it" fehlt. Wobei anzuerkennen ist, dass bei der Auswertung im Band "Volume II, Overcoming Social Background: Equity in Learning Opportunities and Outcomes, looks at how successful education systems moderate the impact of social background and immigrant status on student and school performance" der soziale Hintergrund sehr wohl berücksichtigt wird. Auf Seite 98 steht dann das, was friedmann einschläfert: "Disadvantaged students tend to perform better than expected from their individual socio-economic background when they attend socio-economically advantaged schools and advantaged students tend to perform worse than expected when they attend socio-economically disadvantaged schools." In der Schweizer Auswertung steht auf Seite 32: "Die soziale Herkunft der Jugendlichen hängt statistisch signifikant mit den Leseleistungen zusammen. Je privilegierter die soziale Herkunft der Jugendlichen ist, desto besser sind die Leseleistungen." friedmann, noch wach?
Was bleibt? Die Vermutung, es wäre vielleicht hilfreich, die Medien und ihre Zugträger würden nicht ausschliesslich den - zugespitzt - transnationalen "Schwanzlängenvergleich" im Kopfrechnen und Schnelllesen in den Vordergrund stellen bei der PISA-Berichterstattung. Sondern von Anfang an die pauschalisierenden Ranglisten ignorieren und stattdessen im Kleingedruckten nach der sozial- und bildungspolitischen Relevanz suchen. Oder? micro_robert und murmeli44 haben übrigens recht.

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