Mittwoch, 14. Dezember 2011


Abt. Informationspolitik à la BaZ


Monatelang führten die Verantwortlichen die Öffentlichkeit an der Nase herum. Tagelang war in der betroffenen Zeitung nichts, aber auch rein gar nichts über die Querelen in den Verlegeretagen der "Basler Zeitung" zu lesen. Mit Ausnahme eines 13-Zeilen-Textchen zum Rückzug von Moritz Suter, eines Seitenhiebs von Gastkolumnist Daniel Vischer und einer "Schräglage" im Sportteil.

Nun endlich soll heute Nachmittag eine offizielle Verlautbarung stattfinden. Aber nicht etwa in Basel, sondern in Zürich (vielleicht traut sich der alte Neufinancier Tito Tettamanti nicht mehr ans Rheinknie, dabei hätte doch mit dem Basler Läckerli-Huus eine wunderbare Lokalität zur Verfügung gestanden), dem Ort der Medienkonzentration, vor der man die "Basler Zeitung" ja schützen wollte.

Der Gipfel des Ganzen ist doch aber, dass, wie in der "Tageswoche" zu lesen ist, die betroffenen Mitarbeiter vollkommen im Dunkeln gelassen werden.


... link (2 comments)   ... comment



Abt. Alles bleibt anders - heute: Rahel Blocher verkauft


@blickch schreibt, die Herrlibergertochter wolle die Basler Zeitung abstossen. Als Käufer nennt die Zeitung Tito Tettamanti. @f_leutenegger, besser bekannt als FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, solle "Baz-Präsident und Delegierter der Holding" werden. Die TagesWoche weist ihrerseits darauf hin, dass sie das bereits vor 2 Stunden verlivetickert habe. Dort stand auch, dass der Tessiner 40 Millionen dafür auf den Tisch legen soll ("Status: Sich verdichtendes Gerücht."). Worauf @blickch konterte, das sei im Bundesratswahl-Liveticker "etwas versteckt" gewesen. Aus gebührendem Abstand meint elder statesman & Paris Bureau Chief des SPIEGEL (was für ein Traumjob!!!) Mathieu von Rohr zu den sich überstürzenden Ereignissen:

BaZ-Chefredaktor Somm redet nicht mit seiner Redaktion, dafür mit @christof_moser und erzählt ihm, dass Familie Blocher die BaZ verkauft.
Scharf beobachtet!

UPDATE 13:05: @phossli scheint bereits heute Morgen um 8 das Gerücht vom erneuten BaZ Verkauf vertwittert zu haben. Tja.


... link (no comments)   ... comment



Abt. Schweizversteher - heute: Newcomer


@christof_moser @prazeller @a_cassidy @f_leutenegger & Somm trafen sich gestern spät abends in Bern an der Bellvuebar. Alle bestellten ein Bier. Ausser Somm. Der bestellte Mineralwasser, ohne Kohlensäure, behaupten unbestätigte Gerüchte. Der Smalltalk "über Medien im Allgemeinen und die BaZ im Speziellen" plätscherte so vor sich hin, als angeblich plötzlich der Herrliberger zur Runde getreten, seine Arme um Leutenegger und Somm gelegt und jovial zu den beiden gemeint haben soll: "Ihr bringt die Jungtalente auf Linie? Find ich gut!"

UPDATE: ACHTUNG SATIRE! Ausser dem, was sich zitierend auf das konkrete Tweet von Christof Moser bezieht, ist alles andere hier erstunken und erlogen! Aufgrund von soeben eingegangenen, zahlreichen - und laufend zahlreicher werdenden Reklamationen aus dem Publikum ist diese Fussnote offenbar notwendig. Pardon, wenn das zu wenig klar war... Es ist eindeutig: Wir müssen unseren satirischen Ton künftig deutlich verschärfen.


... link (one comment)   ... comment



Abt. Schweizversteher - they're doin' it again!


Iwan is back on stage: "Politikbeobachter"? Sind wir das nicht alle eigentlich? Vielleicht. Aber nur bei ihm können Sie für CHF 800.- in einem Tag - unter dem Dach einer "Journalistenschule" nota bene - "Die Schweiz besser verstehen" lernen. Und, vom sympathischen Herrn Rickenbacher als Lernziel explizit deklariert, für angehende Lobbyisten ganz wichtig: "Sie können Interventionsmöglichkeiten im politischen Entscheidungsablauf identifizieren."

Wer ausser ihm könnte unabhängig, nüchtern, kompetent und transparent erklären, was an Ränkespielen bei einer Bundesratswahl abgeht? Eben!


... link (2 comments)   ... comment



Schräglage: "Ach meine BaZ"


Auch für Sport- und FCB-Muffel lesenswert: die Schräglage “Ach mein FCB!“ von Andreas Schmid in der BaZ von heute. Er straft damit das Vorurteil Lügen, Sportjournalisten seien a priori apolitisch. Auch Josef Zindel (JoZ) hatte vor seinem Transfer zum FCB schliesslich ein riesiges Che-Poster in seinem BaZ-Büro hängen. Von den Niederungen der (Medien-) Politik verabschiedet, hat sich hingegen das BaZ-Feuilleton, auch wenn der Titel „Der Mann, der die Welt hinters Licht führte“ zunächst anderes vermuten lässt. Damit ist weder Christoph Blocher noch Moritz Suter gemeint...


... link (3 comments)   ... comment


Dienstag, 13. Dezember 2011


Abt. Die gesammelten Lügengebilde des Moritz Suter


Seltsamer Umgang mit der Wahrheit: Moritz Suter im O-Ton

Am 7.12.2010 auf einem Podium im Theater Basel.

Moritz Suter: Die Firma gehört mit, ich stehe dafür ein und ich trage die Verantwortung als Unternehmer.

Moderator (Peer Teuwsen, "Die Zeit"): Sind Sie sicher? Die Zeitung gehört Ihnen?

Suter: "Wissen Sie, das ist eigentlich eine überflüssige Frage, wenn ich Ihnen so klar sage, dass sie mir gehört."

Diese Aussage und noch mehr sind auf der kleinen Moritz Suter-Tonsammlung zu finden, die das Regionaljournal Basel von SR DRS zusammengestellt hat.


... link (no comments)   ... comment



Abt. "End- und Trauerspiel" – eine kleine Presseschau


Da die betroffene Zeitung nicht informiert (siehe unten), werfen wir einen Blick darauf, was die anderen Medien an prominenter Stelle über das Thema der Stunde zu schreiben haben. Unter dem Titel "Trauerspiel um 'Basler Zeitung'" kommentiert die NZZ:

Durch die Kulissenschiebereien ging wertvolle Zeit verloren. Zeit, welche die «Basler Zeitung» dringend gebraucht hätte, um wieder Boden fassen zu können in einer Verlagsbranche, die durch den Strukturwandel auf dem Medienmarkt höchst herausgefordert ist. Das Versteckspiel hat der «Basler Zeitung» geschadet. Auch im öffentlichen Ansehen. Blocher sagt, die Medienkonzentration in der Schweiz sei bedrohlich, es müsse Vielfalt auch unter den Eigentümern gewahrt werden. Das ist eine löbliche Meinung. Nur sollten den Worten entsprechende Taten auf unternehmerischer Ebene folgen. Davon war bisher kaum etwas zu erkennen."
Was Medienredaktor Rainer Stadler damit genau meint, ist nicht ganz klar.

Zum Tageskommentar hat es die Geschichte im "Tages-Anzeiger" geschafft, der den aktuellen Stein ins Rollen gebracht hatte. Kommentator Constatin Seibt sieht die Gier nach Macht als Motor hinter Blochers Engagement:

"Wie gierig Blocher auf noch mehr Macht und Kontrolle ist, zeigt das miserable Geschäft, das Blochers Familienunternehmen Robinvest mit der Zeitung machte: Vater und Tochter warfen rund 70 Millionen für einen Verlag mit 100 Millionen Schulden auf. Bei der Buchprüfung spielte sogar ein 30-Millionen-Loch in der Pensionskasse keine Rolle. Ein Fehler, den sich nur ein Milliardär leisten kann. Doch die Versuchung, einen Chefredaktor wie Markus Somm und voraussichtlich einen Verlagschef wie Filippo Leutenegger zu besitzen, zwei lang erprobte Anhänger, sind der Familie Dutzende Millionen wert. Die Schweiz hat mit den Blochers nun eine echte Oligarchenfamilie: komplett mit eigenem Schloss, Partei, Firmen, Fabriken und Zeitungen."
In der Tageswoche sorgt sich Co-Chefredaktor Remo Leupin um seine Journalistenkollegen, die sich von Somm und Blocher noch nicht haben vertreiben lassen:
"Das stete Vertuschen der wahren Besitzverhältnisse hat nicht nur die Glaubwürdigkeit Blochers und Suters ramponiert, sie schadet auch den BaZ-Redaktorinnen und -Redaktoren, die nach bestem Wissen und Gewissen eine Zeitung machen und dabei Monate im Ungewissen gelassen wurden: Welcher Leser mag noch einer Zeitung vertrauen, deren Führung ein Jahr lang etwas zu verstecken hatte?"
Sogar die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nimmt das Thema prominent auf. Dort schreibt Jürg Altwegg:
"Blocher als Besitzer der 'Basler Zeitung' bedeutet deren Aus (...) Es ist ein End- und Trauerspiel von nationaler Bedeutung."
Die "Basellandschaftliche Zeitung" konnte sich nicht zu einem eigentlichen Kommentar durchringen, lässt aber viele Basler Politpromis zu Wort kommen, die alle mit Ausnahme von SVP-Nationalrat Sebastian Frehner mehr oder weniger einig entsetzt sind:
"Es war in erster Linie die Verblüffung über das Tempo der sich überstürzenden Ereignisse, die aus den ersten Reaktionen sprach, weniger der Sachverhalt selbst."
Ach ja. Auch der Unverlinkbare nimmt Stellung. Wegen den rigiden Copyrightbestimmungen trauen wir uns aber nicht so richtig, ihn hier zu zitieren.

Nachtrag Auch Rettet Basel meldet sich zu Wort:

"Seit anderthalb Jahren wird die Basler Öffentlichkeit von Christoph und Rahel Blocher, ihrer gemeinsamen Firma Robinvest und den Strohmännern Wagner/Tettamanti/Suter/Ospel systematisch hinters Licht geführt und belogen. Gezielt macht Chefredaktor Markus Somm allwöchentlich Stimmung gegen Andersdenkende und Minderheiten. Seine Zeitung hat den Auftrag, der SVP-Politik in Basel und in der Schweiz den geistigen Boden zu bereiten."
Garniert ist dieser Kommentar mit dem Aufruf zu einer Demonstration gegen die "BloZ" am Samstag, 17. Dezember 2011, 14.30 Uhr auf dem Theaterplatz.


... link (no comments)   ... comment



Abt. BaZ heute: Ist das alles?


Die BaZ-Blocher-Connection ist der betroffenen Zeitung heute knappe 13 nichtssagende Zeilen wert.

"Über seine Nachfolge wird bis spätestens Donnerstag informiert."
Mehr hat der Chefredaktor der "Basler Zeitung", Markus Somm, nicht zum Thema der Stunde zu sagen. Nichts zur Verschleierungstaktik der letzten Monate, nichts zu Blochers Lügen, nichts ...

... zumindest fast nichts, denn in seiner Carte-Blanche-Kolumne nimmt der Zürcher Nationalrat Daniel Vischer die Geschichte auf, was Blochers Statthalter Markus Somm offensichtlich übersehen hat oder nicht verhindern konnte.

Und es darf nun weiter spekuliert werden. Philippo Leutenegger als neuer Statthalter der Familie Blocher? Oder nach dem "Weltwoche"-Vorbild gleich Markus Somm sebst? Oder doch die Verlagsgemeinschaft mit "Weltwoche" und den "Schaffhauser Nachrichten"? Und wer ist denn eigentlich der Geldgeber hinter der "Weltwoche"?


... link (2 comments)   ... comment


Montag, 12. Dezember 2011


Abt. Baz: HOPPLA!


Siehe hier!

BaZ-Verleger-Strohmann Moritz Suter gibt auf! Die Ereignisse rund um die einstmals beste aller Basler Tageszeitungen scheinen sich zu überschlagen.

Mit dem obigen Primeur-Link verweisen wir auf die "Tageswoche". Das möchte onlinereports.ch (leider unverlinkbar) nicht. Ganz und gar nicht. Die Onlinepostille von Peter Knechtli weist vielmehr nzz-online.ch als Quelle der ersten Minute aus. Nun aber trägt der "Tageswoche"-Beitrag als Uhrzeit seiner Aufschaltung 18.04 Uhr, während der NZZ-Beitrag von 19.30 stammt (bei Onlinereports fehlen die Uhrzeiten).

Andere Zeitungen stützen sich auf eine MEldung der Schweizerischen Depeschenagentur sda ("... schrieb er den Angestellten der Basler Zeitung in einem Mail, das der sda vorliegt"). Die Meldung trägt als Uhrzeit 19.40 Uhr.

Spielt aber eigentlich eine untergeordnete Rolle. Nur: wie hatte der Unverlinkbare vor drei Monaten erst geschrieben:

"Vielmehr hat die "Basler Zeitung" im vergangenen Jahr an Profil gewonnen. Obschon Somm an allen Ecken und Enden sparen und mit einem Jahresbudget von noch 17 Millionen Franken Vorlieb nehmen muss (in den besten Jahren standen seinen Vorgängern 27 Millionen zur Verfügung), profilierte Redaktoren scharenweise zur Konkurrenz abwanderten und treue Leser ihr Abonnement kündigten, kann sich die BaZ wieder sehen und lesen lassen. Somm baute Stellen ab, verschlankte das aufwändige Layout und setzt vermehrt auf lange, vertiefende Lesetexte."
Da ist der doch ganz ganz anderer Meinung als infamy.

Aber immerhin äussert sich der Unverlinkbare noch über die BaZ-Geschichte. Die betroffene Zeitung selber schweigt und schweigt und schweigt zur wohl brisantesten Geschichte der Stunde auf dem Platze Basel.

Nachtrag: onlinereports.ch hat nachgebessert:

"Die Nachricht kam heute Montagabend erst über die "TagesWoche", dann über NZZ online."
Aber eigentlich geht es ja um die Sache. Oder?


... link (9 comments)   ... comment



Abt. Klarheit? Klar! Flieger grüss mir die Sonne!


Moritz "Quax" Suter musste heute nach einjährigem Blindflug eine holprige Notlandung hinlegen. Offenbar hat er bis zum letzten Tropfen Treibstoff versucht, die Maschine noch hochzuziehen; am Ende riet er den Passagieren gar, heftig mit den Armen zu wedeln resp. wollte durch die Reihen gehen und Tankgeld sammeln. Das hat er bei Swissair gelernt. Aber so wie bei der Swissair hat es auch hier nicht geklappt. Rahel, was gemäss meiner Internet-Schnellrecherche "Mutterschaf" bedeuten soll, Tochter des Alt Bundesrats, Blocher, gab ihm den Befehl zum Ausstieg aus der Maschine schon vor einem halben Jahr, so denn die Gerüchteküche stimmt. Ob und wenn ja wie schwer unser Bruchpilot verletzt ist, wird sich wohl erst in der nächsten Sonntagspresse zeigen. Aus dem einst stolzen Swissair-Jumbo ist mittlerweile eine 2-motorige Crossair geworden. Weil viele Passgiere ausstiegen, wurde es auch niemals richtig eng. Mal sehen, wie die Medien-Experten der Robinvest den Flieger wieder zum Abheben bringen wollen. Neuer Chefpilot soll ja angeblich Filippo Leutenegger sein. Ich gehe jedenfalls schon mal in Deckung.

... link (one comment)   ... comment



Abt. Blochers BaZ: Jetzt will die Regierung Klarheit


Über die Blocher-BaZ-Connection ist in den letzten Tagen viel geschrieben worden, nur nicht in der "Basler Zeitung" selber. Das soll sich nun ändern, "wünscht" die <a href=www.medienmitteilungen.bs.ch" target="blank">Basler Regierung:

"Regierungsrat wünscht Transparenz über die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse bei der Basler Zeitung ...,"
... heisst es in einer Regierungsmitteilung von heute. Das gab es wohl noch nie, dass eine Regierung von einer Zeitung die Offenlegung der Besitzverhältnisse verlangt. Aber es ist auch absolut aussergewöhnlich, dass sich eine Zeitung, die eigentlich der Veröffentlichung verpflichtet ist, sich so standhaft weigert, dieses zu tun. Die baselstädtische Exekutive betrachtet nun ihre Forderung nach Transparenz als Pflicht:
"Der Regierungsrat ist gemäss der baselstädtischen Verfassung verpflichtet, die Unabhängigkeit und Vielfalt der Information zu unterstützen. Medien erfüllen in einer Demokratie eine wichtige Rolle, indem sie die Meinungsvielfalt abbilden und breiten Kreisen der Bevölkerung ermöglichen, sich eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden. Was die Basler Zeitung angeht, ist das nur möglich mit einer raschen Offenlegung der Eigentumsverhältnisse."
Überdies "verlangt" (sic!) der Regierungsrat, dass auch der industrielle Teil des Unternehmens, das heisst der Druckereibereich, weitergeführt wird.

Mal sehen, was uns entgegenspringen wird, wenn wir morgen die BaZ durchblättern werden ...


... link (no comments)   ... comment



Abt. üble Nachrede - heute: NZZ vs. Robin & Hood


Auf infamy-Art vom Kopf auf die Füsse gestellt, heisst das Duo, das 2008 - 2010 über 1'000 mutmassliche deutsche Steuerhinterzieher der gerechten Strafe zuführte, ab sofort "Robin & Hood"! Gestern erzählte die NZZ ihre Sicht auf deren Taten. Sie titelte:

Wie Deutschland die CS ausspionieren liess Das ist eine Geschichte über zwei Männer, die sich eigentlich gar nicht kannten und trotzdem gemeinsam die Grossbank Credit Suisse ausnahmen.
"ausnahmen"? Merke, erstens: Wenn Du gegen Belohnung hilfst, Steuerhinterziehern das Handwerk zu legen, sagt die NZZ, Du nähmest die Bank aus. Aber weiter im Text:
Die Geschichte geht so: (...) Der Bankmitarbeiter stahl Daten von deutschen Kunden, und der IT-Unternehmer [infamy: Er heisst Wolfgang U., und alle, die wollen, ausser der NZZ, kennen auch seinen Nachnamen] bot sie dem Finanzministerium Nordrhein-Westfalen an. (...) Wie sich diese nämlich ganz genau zugetragen hat, ist nicht klar. (...) Erstens: Der österreichische Mittelsmann ist heute tot. Der 42-Jährige hat sich im September 2010, zwei Wochen nach seiner Verhaftung, im Regionalgefängnis Bern erhängt. Zweitens: Der Schweizer Datendieb ist heute «eine Art untergetaucht», wie ein Bekannter erzählt. Drittens: Die Credit Suisse äussert sich nicht zum Fall. Die Bank hat kein Interesse daran, über einen fehlbaren Mitarbeiter und dessen Vorgehen zu informieren. Zu gross ist die Angst vor Nachahmungstätern. Viertens: Die Bundesanwaltschaft äussert sich nicht zum Fall.
Hood ist tot, Robin nach Deal mit der Bundesanwaltschaft (das schreibt allerdings 20min vor über einem Monat, nicht die NZZ) untergetaucht (erscheint er am Donnerstag um 10 Uhr zur Urteilseröffnung in Bellinzona?), die Bank mauert: ein Steilpass für eine wirklich gute, harte, ausführliche Recherche. Was die NZZ aber tatsächlich zu "Robin & Hood" an Belanglosigkeiten herausgefunden hat ist:
Die Anekdote, die ein Bekannter dazu erzählt, tönt abenteuerlich – was nicht zwangsläufig heisst, dass sie nicht stimmt: Zufällig hätten die beiden im gleichen Fitnesszentrum trainiert, und zufällig habe der Credit-Suisse-Mitarbeiter vertrauliche Unterlagen liegen gelassen. Der Unternehmer habe diese dann ebenso zufällig gefunden und Kontakt mit seinem späteren Komplizen aufgenommen.
und
Auf der einen Seite war der damals 25-jährige Mitarbeiter der Credit Suisse. Er stammte aus Asien, wohnte in einer Zürcher Landgemeinde und hatte eine Freundin aus Tschechien. Auf der anderen Seite war der fünfzehn Jahre ältere Österreicher, der geschieden war, in Winterthur wohnte und einen IT-Betrieb in der Ostschweiz führte. Die beiden hatten ursprünglich nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun, wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» ergaben: Der Credit-Suisse-Angestellte besuchte das Gymnasium, flog aber wegen mangelnder Leistung von der Schule. Er sang in einem Chor und interessierte sich für Autos. Der Unternehmer dagegen wuchs in österreichischen Tirol auf, wohnte in verschiedenen Ortschaften in der Schweiz und war leidenschaftlicher Gleitschirmflieger.
und
Gesichert hingegen ist: Die zwei Männer flogen auf, weil sie die 2,5 Millionen Euro aus Datendiebstahl und Datenverkauf auf Konten in Deutschland, Österreich und Tschechien verschoben. Ein Teil des Geldes landete bei der tschechischen Freundin des Bankmitarbeiters, die früher in der Schweiz als Prostituierte gearbeitet hatte.
Woher weiss die NZZ, dass die tschechische Staatsbürgerin in der Schweiz als Sexworkerin arbeitete, als ihr damals 25jähriger Freund (die eine Hälfte von Robin & Hood) mit Wolfgang U. (die andere Hälfte von Robin & Hood) unterwegs war? Das Blatt sagt darüber kein Wort. Das Blatt schweigt, wie das Grab von Wolfgang U., von dem wir übrigens nichts Neues erfahren darüber, was ihn in den Tod getrieben hat. Was ziemlich sicher die eigentliche Geschichte wäre. But who cares?

Heute verschickt die SDA den Text ihres am Bundesstrafgericht offenbar akkreditieren Journis, der die Anklageschrift vorliegen hat und drum ein paar präzisere Details des Falls kennt.


... link (no comments)   ... comment


 
infamous for 8575 Days
Sperrfrist: 14.04.25, 05:43

Kontakt:
infamy-Kollektiv
Basel
E-Mail



status
Youre not logged in ... Login

menu
... infamy home
... such!
... topics
... 
... Home
... Tags

... antville home
... disclaimer


Januar 2026
So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.
123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
September




Für die Kaffeekasse:
Neuzugänge:
Abt. Keintunnel Nicht
vergessen, die Auto-Nerds wollen Milliarden in den Autobahnbau verlochen. Das ist sowas...
by bagger (02.09.24, 09:53)
Abt. Witz des Tages "Es
soll sogar prominente Klimakleber geben, die Flugreisen nicht grundsätzlich ablehnen,...
by bagger (15.06.24, 18:30)
Abt. Wohnschutz schützen Wenn die
Investoren husten, haben Basels Bürgerliche Grippe In einem beispiellosen Akt...
by bagger (15.06.24, 10:21)
Abt. Leckerschlecker The DEA
Northeast Laboratory (New York, New York) recently received a submission of...
by fuzzy (26.02.24, 12:06)
Abt. Wo-Wo-Wochenschau!
Männiglich fragte sich, was eigentlich Fonzis Leihkampffisch so macht. Die Antwort (oben) entnehmen...
by fuzzy (26.02.24, 12:04)
Abt. Schuss des Tages
by fuzzy (26.02.24, 12:02)
Abt. infamous Shooting
Foto: Fonzi Tromboni Gestern abend war grosses Fotoshooting im Studio zu Sankt...
by fuzzy (26.02.24, 11:55)
Abt. Keintunnel CH
Mehr Infos hier: https://www.umverkehr.ch/referendum
by bagger (23.09.23, 11:32)