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supra, 12. März 2010 23:50:00 MEZ
Abt. Der "Herausgeber" spricht
"Qualität", wo man auch nur hinblickt: Der alte Chefredaktor im Gespräch mit dem neuen Herausgeber
Heute gestern stiessen wir in der (noch) besten aller Basler Tageszeitungen überraschenderweise auf ein langes Interview mit dem neuen "Herausgeber" und Minderheitsaktionären eben dieser Tageszeitung, Martin Wagner. Auf der Frontseite auf Seite 12 angekündigt finden wir das Gespräch, das der Chefredaktor in geradezu investigativem Eifer führt, schliesslich zwei Seiten weiter hinten, nämlich auf Seite 14. In diesem Gespräch ist sehr viel von "Qualitätsjournalismus" und "Qualitätszeitung" die Rede. Sieben Mal kommt das Wort "Qualität ..." vor. Was Qualitätsjournalismus sein kann, erfahren wir gleich an Ort und Stelle, etwa wenn der Chefredaktor seinen Herausgeber nach der wirtschaftspolitischen Ausrichtung seines Blattes befragt:"Die BaZ soll eine wirtschaftsfreundliche Haltung haben, liessen Sie sich in einem Interview zitieren. Ist das eine Aufforderung zu unkritischem Wirtschaftsjournalismus?
Nein, überhaupt nicht. Das erwartet auch niemand aus der Wirtschaft. Die Redaktion soll frei, aber fair recherchieren und schreiben. Man muss der Zeitung anmerken, dass sie im zweitwichtigsten Wirtschaftsraum der Schweiz gemacht wird. Und die Exponenten der Firmen und der Wirtschaftsverbände sollen spüren, dass wir uns für ihre Anliegen einsetzen. Auch müssen wir darauf achten, dass wir komplexe Wirtschaftsthemen unseren Lesern sachlich richtig und verständlich übermitteln.
Hm. Nun also. Unkritisch soll der Journalismus nicht unbedingt sein, aber die Wirtschaft soll spüren, dass man auf ihrer Seite steht ...
Soviel also zum Qualitätsjournalismus im Wirtschaftsteil. Qualität soll es, so der neue Herausgeber, aber nicht überall, sondern nur gegen Bezahlung und auf Papier geben:"In der Tat haben wir beim Newsnetz mehrere offene Punkte. Zum einen
sind wir – im Gegensatz zu den Partnerverlagen – der Ansicht, dass es falsch ist, qualitativ hochstehende Printinhalte im Internet zu verschenken."
Heisst das, dass es online bald nur noch qualitativ niederstehende Inhalte zu lesen geben wird? Steigt die beste aller Basler Tagezeitungen aus dem Newsnetz aus? Die Antwort bleibt er uns schuldig. Aber:"Wenn man diese Entwicklung zu Ende denkt, so kommt man zu einem fatalen Ergebnis: Stirbt die Qualitätszeitung, so haben wir nur noch das Internet, doch diesem werden mittelfristig die anspruchsvollen Inhalte fehlen. Denn trotz weltweitem Internetboom hat noch kein Verleger ein Geschäftsmodell etabliert, mit dem sich im Web Qualitätsjournalismus finanzieren lässt."
Soso.
Lassen wir das mal so stehen. Interessant ist es zu erfahren, dass die Basler Qualitätszeitung nach Auffassung dessen Verlegers vielleicht bald nicht mehr die einzige Basler Zeitung sein wird:"Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Zürcher Verlagshäuser mit der neuen Konstellation abfinden und uns in Ruhe arbeiten lassen. Wir müssen damit rechnen, dass ein Zürcher Konkurrent versuchen wird, uns das Marktgebiet Nordwestschweiz mit einem Kopfblatt streitig zu machen."
Pfui Konkurrenz also. Oder wie sagte der Herausgeber weiter oben so schön: "Auch müssen wir darauf achten, dass wir komplexe Wirtschaftsthemen unseren Lesern sachlich richtig und verständlich übermitteln."
ronniegrob, 15.03.10 07:13
"Vergünstigungen, wo es nur geht"
Für das, dass sich fast alle beim Kauf ein Szenario eines Rechtsrucks zum unbarmherzigen Kapitalismus bei der BZM ausgemalt haben, scheint Martin Wagner ein ziemlicher Gegner der Marktwirtschaft (und des Internets) zu sein. Und weil er Wettbewerb nicht so mag, möchte er auch staatliche Hilfen. Nur nur ein paar, sondern: "Ich möchte Vergünstigungen, wo es nur geht". Wer noch nicht weiss, wie er Wagner einschätzen soll, sollte dieses Interview in der Werbewoche ganz durchlesen.
www.werbewoche.ch
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