patpatpat, 30. August 2010 09:56:00 MESZ Abt. Fisch oder Vogel? - heute: Konvergenz @ DRS3
v.l.n.r. Moderator Mario Torriani, Wettermann Jürg Zogg, DRS3-Chef Robert Ruckstuhl
DRS3 ist, wie berichtet, ab heute werktags zwischen 06:30 und 08:35 unter dem Label "3 auf zwei" auch ein TV-Kanal. Technisch hat fast alles geklappt. Chapeau! Inhaltlich war's DRS3, wie man's vom Radio her kennt... Love it or hate it. Formal? Nun ja. "TV povera", würd ich sagen. Gefilmtes solides, professionelles Radiohandwerk, so gut es halt automatisiert geht, im Bild aufgepeppt. Das funktioniert recht ansprechend, wenn das Mikrofon offen ist und Moderation oder Dritte ihren Auftritt haben. Während Songs die Audiospur füllten, kam das Gesehene weiterhin von der Studiokamera, es gab also keine Musikvideos. Das irritiert am TV, denn ist die maximale Bild/Ton-Schere: Die Sprechenden im Studio machen den Mund auf und zu, ohne dass man etwas hört, wie ein Fisch. Und darüber singt Paradiesvogel Pink "So what".
Wozu das Ganze? Man kann nur vermuten. Zusätzliche Publikumsbindung? Konvergentes Vorzeigeprojekt? Technische Machbarkeitsübung? Experimentelle Spielwiese? Von allem ein bisschen? Wahrscheinlich. Anekdotisch interessant, dass von den MorgenmoderatorInnen Mona Vetsch, Judith Wernli, Sven Epiney und Mario Torriani alle bereits reichlich Kameraerfahrung besitzen, ein Objektiv 50 cm vor der Nase sie also kaum irritiert. Judith Wernli war mit Torriani und Hartmann im "Jede Rappe zellt"-Glashaus. Das wechselnde Personal in Redaktion, Wetter und Newsstudio macht seine Sache ebenfalls sehr souverän und unbeeindruckt davon, dass ab sofort die ganze Welt Garderobe und Bartlänge im Radiostudio kontrollieren kann.
Ist damit das Radio oder das TV neu erfunden? Nicht wirklich. Aber durch die Kombination entsteht eine Konstellation, die durchaus Potential hat. Allerdings auch ihre Fallstricke, weil die ProtagonistInnen immer zwei Publika im Kopf haben müssen: das am Radio und gleichzeitig das am TV. Wir sind gespannt, ob und wie sich das Format entwickelt.
Was lief eigentlich früher zu der Tageszeit auf SF2? Eingekaufte Trickfilme und Serien. Jetzt füllt eine "Eigenproduktion" die beiden Stunden. Das spart en passant ein bisschen Geld und ist gut für die Statistik.
Unter Berufung auf Art. 25 und Art. 28 URG hier ein kleiner, zusammengeschnippselter Ausschnitt zur Illustration, wie "3 auf zwei" daherkommt:
Eines Tages wird der Übergang von "3 auf zwei" zurück zum Laufprogramm von SF2 vielleicht auch etwas sanfter... Heute war's einfach ein harter Schnitt, mitten in Mario Torrianis Moderation, wie am Schluss des Ausschnitts dokumentiert.
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