supra, 12. Januar 2012 08:41:00 MEZ Abt. Qualitätsjournalismus – heute: Die Messerfrage
Das Original von der SVP
Die Darstellung in der "Basler Zeitung"
Wir müssen uns bei der Basler SVP entschuldigen. Am 20. Dezember 2011 suggerierten wir, dass die "Basler Zeitung" auf ihrer Frontseite das neue Messerstecher-Plakat der SVP vorweggenommen habe (siehe Bild). Nun zeigt sich aber, dass die Rechtspartei in ihrer Kampagne für die Polizeistaatinitiative eine um einiges zurückhaltendere Bildsprache gewählt hat als die Zeitung.
Soviel als Einleitung. In ihrer heutigen Ausgabe holt der BaZ-Mann fürs wirklich Grobe und Crime-Mapper Mischa Hauswirth nun zu einer grossen Abhandlung über das Messer als Symbol für die Dauersuggestion der verlorenen Sicherheit auf Basel Strassen aus. Und man kann sich mit Fug fragen, ob Hauswirth wirklich noch weiss, was er da tut:
"Es ist kein schönes Plakat: Ein Mann in Jeans hält ein langes Messer hinter dem Rücken, ein Polizist packt ihn am Handgelenk."
Soweit gehen wir ja noch einig mit ihm. Aber:
"Doch auch wenn das Plakat keine Augenweide bietet, so fällt es doch auf, nicht zuletzt durch seine für die SVP untypische Zurückhaltung. Keine Minarett- Raketen, die aus dem Boden schiessen, keine schwarzen Schafe, die aus der Schweiz gekickt werden, keine klischeehaften Verbrecher mit Pistolen, keine Asylsuchenden, die als Diebe dargestellt werden. «Wir hätten durchaus mehr provozieren und zum Beispiel einen Nordafrikaner mit einem Messer zeigen können, aber wir wollten keine Anti-SVP-Reflexe bedienen."
"Wir hätten durchaus (...) zum Beispiel einen Nordafrikaner mit einem Messer zeigen können ..." Brauchte die SVP nicht, denn das tat ja die "Basler Zeitung" auf ihrer Frontseite vom 20. Dezember bereits.
Aber wirklich hart geht die "Basler Zeitung" bei der "Frage des Tages" mit ihrer SVP ins Gericht:
"Die SVP will mehr Polizisten für Basel und argumentiert mit zunehmender Gewalt, auch mit Messern ..."
Argumentiert mit Gewalt und Messern? Auch wenn diese Ausage im übertragenen Sinne durchaus ihre Berechtigung hat, so gemeint war sie ja wohl nicht.
Nachtrag
Mein Lieblingsabschnitt im Artikel, der in den nächsten Tagen durch eine neue Crime Map ergänzt werden wird, ist dieser hier:
"In den Fünfzigerjahren waren es die Halbstarken, die sich in Messerstechereien verwickelten, in den 1970er-Jahren gehörte ein Stellmesser in jede Rockerlederjacke und heute tauchen Messer immer öfter im Zusammenhang mit Delinquierenden auf, die sogenannten Migrationshintergrund haben.
supra, 11. Januar 2012 13:38:00 MEZ Abt. Huch! Das Basler Erziehungsdepartement teil mit:
"Per 1. Januar 2012 hat der Kanton Basel-Landschaft den Vorsitz des Regierungsausschusses der Vertragskantone der FHNW und des Koordinationsorgans im Bildungsraum Nordwestschweiz übernommen."
Grössere Klassen? Weniger Geld für die Uni? Abstriche bei der Fachhochschule? Das kann ja heiter werden.
supra, 10. Januar 2012 11:38:00 MEZ Abt. Haltet ein, Ihr Musikanten
Praktisch gleichzeitig mit der Aufhebung des Trommelverbotes (neu darf das ganze Jahr hindurch "von Montag bis Samstag am 7.00 Uhr bis 22.00 Uhr ohne Bewilligung getrommelt werden") will die Basler Regierung die "Verordnung zu Strassenmusik und Strassenkunst" verschärfen, wie sie heute mitteilt:
"Seit der letzten Verordnungsrevision im Jahre 2010 hatte die Zahl der Reklamationen markant zugenommen, was die erneute Überarbeitung notwendig machte.
Steine des akustischen Anstosses seien vor allem Musikanten aus Osteuropa, bei denen Basel wegen seiner "äusserst liberale Handhabung der Strassenmusik und Strassenkunst" sehr beliebt sei.
Neu wird nun ab Mai 2012 ein Dauerspiel nicht mehr erlaubt sein:
"Die Darbietungen dürfen neu jeweils erst zur vollen Stunden beginnen und müssen nach maximal 30 Minuten beendet sein. Zwischen der halben und der vollen Stunde sind Darbietungen verboten."
Gänzlich verboten wird das Musizieren an den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel und direkt vor Boulevard-Restaurants oder -Cafés sowie "überlauter Gesang". Anders als in anderen Städten werden aber Strassenmusiker in Basel nach wie vor keine Bewilligung brauchen.
bagger, 9. Januar 2012 18:59:00 MEZ Abt. Wütende Mittelschicht Achje, was war das wieder für ein aufregender Tag. Zur Entspannung empfehle ich den kurzen Auftritt des Österreichers Roland Düringer bei "Dorfers Donnerstalk", der - youtube sei dank - hier nochmal zu sehen ist. Der Herr Düringer ist etwas wütend:
In einem Video unter dem Logo der Hacker-Gruppe Anonymus zeigt man sich so sehr von Roland Düringers Wutausbruch angetan, dass man ihn auffordert, doch zum Sprachrohr der Menschen zu werden.
ulspegel, 9. Januar 2012 14:36:00 MEZ Abt. Montagsüberraschung Laut nzz.online ist eben Philipp Hildebrand zurückgetreten. Da kann man ja gespannt sein.
Nachtrag: 15:15 will er sich in Bern an einer Medienkonferenz erklären.
supra, 8. Januar 2012 12:37:00 MEZ Abt. Tamaras Po und die flache Erde
Zuerst die gute Nachricht: Sie ist erschienen, die neue "Basler Zeitung" am Sonntag. Sie sei "magaziniger" als die Werk- und Samstags-BaZ, schreibt die Zeitung auf ihrem Online-Portal. (Wir deklinieren: Magazin, Magaziner, Magie!)
Nun aber zum Inhalt. Wie alle Sonntagsblätter geht es vor allem um Hildebrand, Hildebrand und noch einmal Hildebrand. Aber anders als andere Sonntagsblätter (hier zusammengefasst in der "Tageswoche") hat die Basler Ausgabe nicht wirklich Neues über den Fall zu berichten, auch wenn Chefredaktor Somm (mit abgeschnittenem Kopf) in seinem kleinlauten Leitartikel (nach dem Mottp: "Warum hört denn niemand mehr auf meinen Blocher?!") das Gegenteil behauptet. Aber dafür kommt Blocher selbst in einem Interview (oder ist es die Abschrift von "Tele Blocher"?) zu Wort. Und es gibt ein Porträt des Primärbriefträgers Hermann Lei zu lesen ("Schweizerzeit"-Autor Beni Gafner über "Schweizerzet"-Autor Hermann Lei). Und es gibt den grossen Aufhänger, der einzige Beitrag, der wirklich etwas Neues über Hildebrand zu berichten hat, nämlich:
"Er sieht immer noch aus wie ein kleiner spätkapitalistischer Halbgott, wie eine Mischung aus zeitgenössischem Machiavellist und Männermoden-Model. Er ist jetzt Mitglied geworden in diesem Club der neuen Machthabergeneration, denen nichts mehr heilig erscheint ausser sie selber, die aussen top sind und innen flop."
Es ist ein illustrer Club, der Club der "Geschniegelten", in den Hildebrand da gesetzt wird. Seite an Seite mit Karl Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff, David Cameron und Barack Obama (!).
Aber wir haben doch vor allem auf eines sehnsüchtig gewartet: auf Tamaras Rendez-Vous. Wie schön, dass wir nun für fünf Minuten unsere Po-, äh Probleme vergessen konnten bei der Lektüre über Po und Promis:
"Dann beginnt die mit Spannung erwartete Show und nimmt einen bald schon so sehr ein, dass die strapazierten Pomuskeln rasch in Vergessenheit geraten."
Das und die Beschreibung der "Bestuhlung, die man nicht gerade als flauschig weiche Relaxzone bezeichnen kann", musste doch mal geschrieben werden!
supra, 7. Januar 2012 19:00:00 MEZ Abt. Qualitätsjournalismus – heute: Tamara Wernli am Sonntag Wer sagt denn, dass die neue Sonntagsausgabe der "Basler Zeitung" ohne zusätzliche personelle Ressourcen erstellt wird. Die "Basler Zeitung" leistet sich sogar einen Star am Journalistinnenhimmel. Nein, nicht Ulrich Schlüer, auch Urs Paul Engeler nicht, sondern Tamara Wernli:
"Ab sofort besucht Wernli so einmal pro Woche für die BaZ einen Anlass, um darüber jeweils in der Sonn- tagsausgabe in einer bebilderten Kolumne zu berichten. «Tamara’s Rendez-Vous» tritt die Nachfolge von -minus Tante-Elsa-Klatschkolumnen und der Schnääderänte an."
Oh, wie wird mir warm ums Herz. Tamara, die sogar schon bei Stefan Raab eingeladen gewesen, wie aus der BaZ-Vorschau zu erfahren ist, aber nicht hingegangen sei, weil der Einladungsgrund ein Versprecher gewesen sei. Sie wird uns in die Traumwelten der Promis führen, wie sie sich zitieren lässt:
"Man möchte leichte, positive News lesen und schöne Fotos sehen. Ich möchte den Leser für fünf Minuten die eigenen Probleme vergessen lassen."
Wow! Das Engagement von Wernli als Sonntags-Amnesistin ist ein Versprechen, denn schreiben, das haben wir hier bereits lobend erwähnt, kann sie ja.
supra, 7. Januar 2012 17:51:00 MEZ Abt. Der interessanteste Politiker Er sei einer der "interessantesten Politiker der Stadt", stets adrett gekleidet und und und ...
Wer in der Tageswoche das Porträt von Baschi Dürr liest, bekommt das Gefühl, auf der FDP-Seite gelandet zu sein. Und tatsächlich weisen die Seiten von Baschi Dürr und die der "Tageswoche" zumindest vom Design her auffällig viele Ähnlichkeiten auf. Vielleicht liegt das am eloquenten Charakter des ewigen Jungpolitikers:
"Es gibt niemanden, der schlecht über ihn redet (und die gibt es sonst immer)."
supra, 7. Januar 2012 15:57:00 MEZ Abt. Das Ja-Aber des Chefredaktors Man habe ihm die Leviten gelesen, gibt BaZ-Chefredaktor Markus Somm heute bekannt. Wegen seiner Rücktrittsforderung an die Adresse von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand vor drei Tagen, also noch bevor dieser sich in der Öffentlichkeit selber erklärte. Und es waren nicht irgendwelche Linken und Netten, sondern ein "Bankier" und ein "Wirtschaftsführer". Das schmerzt offensichtlich. So sehr, dass sich Somm erstmals während seiner Karriere als polternder Chefredaktor der "Basler Zeitung" entschuldigt:
"Habe ich zu vorschnell seinen Rücktritt gefordert? In Anbetracht der Regel, zuerst den Angeschul- digten anzuhören, bevor man urteilt, gebe ich zu: Ich liess mich hinreissen. Es war überstürzt. Nicht alle Fakten waren genügend klar. Dafür entschuldige ich mich."
Es ist aber eine Entschuldigung mit dem Nachsatz "Sie dreht sich doch". Oder:
"Es bleibt ein schwefliges Gerüchlein in der Luft."
Wer hat hier gefurzt? Nein. Über viele viele Zeilen breitet Somm aus, was man auf der Seite vorher auch im Interview mit seinem Ex-Kollegen Urs Paul Engeler von der "Weltwoche" bereits lesen konnte: dass der Hildebrand halt wahrscheinlich doch und so weiter. Und er schliesst mit den Worten:
"Erst wenn alle Konto- bewegungen der letzten Jahre untersucht worden sind, am besten seit 2003, als Hildebrand Mitglied im Direktorium wurde, – erst dann kann man diese Frage beantworten. Bis dann halte auch ich mich mit weiteren Rücktrittsforderungen zurück."
Dann können wir ja trotz "schwefligem Gerüchlein" alle aufatmen.
Übrigens: Die Tatsache, dass Blocher offensichtlich gelogen hat, als er sagte, er habe der Bundespräsidentin keine Dokumente gezeigt, kommt in der Zeitung nur ganz am Rande und ziemlich verharmlost zur Sprache.
patpatpat, 7. Januar 2012 01:28:00 MEZ Abt. Rennbahn 2.0 - heute: Wipeout Sie nennen es Quantum Levitation. Und Deine Enkel werden es sich zu Weihnachten wünschen:
morrow, 6. Januar 2012 22:37:00 MEZ Abt. Geschlumpf des Tages Momentan gerade live auf Schweizer Farbfernsehen: Bundespräsidentin Mme Schlumpf als Arena gegen sich selbst. Und da ich bisher noch keinen intelligenten Satz von ihr gehört habe (was durchaus auch an meinem mangelnden Fernsehkonsum liegen kann) schaltete ich mal zu. "Wenns Bankgheimniss verletzt wird denn muess me do knallhart duregriffe." (Ausnahmen sind nur dem Bundesrat auf Anfrage der Amerikaner erlaubt?!). Man erfährt auch ganz Erstaunliches: "Mir pfläge uns an d Gesetz zahalte de Bundesroot." Conclusion: PH bringt der Schweiz im Total mehr als sein Fehler geschadet hat und da rechtlich nach den laschen Regeln weiss und moralisch schwarz als Mischfarbe Grauzone Schwamm drüber.
//Edit: Dagegen ist die soeben von Bundespräsidentin Schlumpf skizzierte staatsquotenneutrale Energiesteuerreform (i.e. im internationalen Vergleich) genial (und von GLP (CVP; GP?) erfunden). Und für den begriffsstutzigen Professor aus FR: Ein Wohlhabender kann sich schon heute ein Plusenergiehaus bauen, damit seinen Tesla Roadster laden und meinetwegen die Flugreisen mit einem Solarcarport kompensieren. Damit braucht er nicht mehr Energie als ein Obdachloser.
patpatpat, 6. Januar 2012 09:53:00 MEZ Abt. Senderauswahl - heute: FM4 im Auto
@radiofm4 aus Oesterreich via Internet gestreamt auf RadioRec+ in Androidhandy, an dem ein TuneCast II steckt, der auf 88,1 MHz sendet, was das Autoradio empfängt und über die Boxen wiedergibt. Und was hörst Du unterwegs?
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